»kreuz.net betreibt Hasspropaganda«
? Herr Berger, Sie koordinieren die Initiative »Stoppt kreuz.net« und haben ein Kopfgeld von 15 000 Euro ausgesetzt, um die Betreiber des angeblich katholischen Internetportals ausfindig zu machen. Wie wird ein Theologe zum Kopfgeldjäger?
! Mit dem Begriff »Kopfgeld« wollen wir öffentliche Aufmerksamkeit gewinnen. Dabei handelt es sich um eine Belohnung, für »Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen«, wie sie häufig von Kriminalitätsopfern ausgesetzt werden. Das ist keine Selbstjustiz: Wir werden alle Hinweise sammeln und der Staatsanwaltschaft übergeben.
? Was ist das Kriminelle an kreuz.net?
! Die Plattform betreibt volksverhetzende Hasspropaganda. Sie verbreitet Verleumdungen und beleidigt Homosexuelle, Juden und Muslime. Der Verfassungsschutz hat sie als grundgesetzwidrig eingestuft.
? Sind Sie selbst ein Opfer von kreuz.net?
! Als meine Homosexualität bekannt wurde, hat kreuz.net seine User in groben Formulierungen aufgefordert, mich zu verprügeln und dazu meine Privatadresse veröffentlicht. Zusätzlich wurden die Leute angewiesen, sich dabei Aids-Handschuhe anzuziehen ...
? Aber wertet so eine spektakuläre Kampagne das Portal nicht noch zusätzlich auf?
! Das habe ich mich auch lange gefragt. Die Kritiker und Opfer von kreuz.net haben sich immer zurückgehalten. Als jetzt aber der Artikel über Dirk Bach erschien, war der Punkt überschritten. Noch im Angesicht des Todes wurde der homosexuelle Schauspieler beleidigt und auf üble Weise lächerlich gemacht. Und dafür bekam kreuz.net drei Millionen Klicks, an einem Tag. Da hat die schwule Community gesagt: Jetzt reicht’s!
? Warum ist es eigentlich so schwer, die Betreiber einer deutschsprachigen, angeblich katholischen Internetseite zu finden?
! Weil sie technisch perfekt ausgerüstet sind. Kreuz.net wechselt manchmal dreimal täglich den Server. Die Ortung der IP-Adressen wird durch bestimmte Programme bewusst verschleiert. Den Server auf den Bahamas nutzt kreuz.net übrigens gemeinsam mit verbotenen Pädophilenseiten. So viel zu deren hohen moralischen Ansprüchen. Und die Angaben über die Betreiber sind frei erfunden: »Professor Ferrocior« beispielsweise existiert in Wirklichkeit gar nicht.
? Die deutschen katholischen Bischöfe, darunter auch Kardinal Joachim Meisner, haben sich von kreuz.net distanziert.
! Ja, aber spät. Die Kirche hat das Treiben von kreuz.net als angeblich katholische Seite zunächst lange geduldet. Erst als ein geheimes Dokument der Bischöfe plötzlich auch auf kreuz.net auftauchte, sind sie dann auf Distanz gegangen.
? Sehen Sie eine Chance, die Betreiber zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen?
! Die Hinweise verdichten sich, dass es Personen sind, die im kirchlichen Dienst stehen. Wir haben konkrete Namen, die sich immer mehr erhärten. Kreuz.net wird offensichtlich von drei bis vier Redakteuren betrieben, die Zugang zu den Servern haben und im deutschsprachigen Raum verteilt sind. Diese Leute veröffentlichen alle Beiträge, die ihnen zugeschickt werden, ungeprüft – solange sie in ihr krudes Weltbild passen.
