Einen Baum pflanzen
Jeder kennt das Martin Luther zugeschriebene Wort: Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Baum pflanzen.
Oder man hat vom Märtyrerwald des Gedenkens in Israel, in der Umgebung von Jerusalem, gehört. Dort hat man für jeden der 6 Millionen ermordeten Menschen des Holocaust einen Baum gepflanzt. Der Wald ist in den Jahrzehnten groß gewachsen. Auch ich habe für all meine Nichten und Neffen nach der Geburt dort einen Baum gepflanzt. Der Wald ist bis nach Jerusalem herein spürbar mit seiner erfrischenden, kühlenden Luft.
Wenn der Albtraum von Corona einigermaßen vorbei sein sollte, sollten wir Menschen nicht zum »business as usual« zurückkehren. Einen Augenblick innehalten und bedenken, was uns in der Quarantänezeit in einem menschenwürdigen Leben hielt: Es war unter anderem auch der Sauerstoff der Beatmungsgeräte, der vielen das Leben neu schenkte. Natürlich ist dieser Sauerstoff aus der Flasche industriell hergestellt. Aber sein Erfinder ist der Baum. Er atmet unseren Stickstoff ein und schenkt uns seinen Sauerstoff. Ein Baum teilt sein Leben mit jedem Menschen und erhält uns am Leben.
Ich habe einen Traum: Jede Gemeinde stellt in einem Pachtvertrag von 99 Jahren Gemeindeland zur Verfügung, einen Quadratmeter im Gedenken an jeden Coronatoten und auch für jeden Coronageheilten. So könnte vielleicht ein Wäldchen entstehen, das uns atmen ließe und den Vögeln und Wildtieren eine Zuflucht geben könnte.
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Oder ich sehe die Felder Irlands vor mir: jedes umgeben und eingegrenzt durch eine Steinmauer aus den Lesesteinen des Ackers und einen Baumstreifen von einigen Metern Breite. Die Felder atmen und duften und tun den Augen gut. Sie sind mit ihren Schutzmauern von Bäumen voller Leben, Kühle und Atemluft. Unsere gequälte Erde würde aufatmen und unsere kranken Lungen ebenso. Warum geht etwas in Irland, was bei uns nicht gehen sollte? Was haben wir davon, wenn der letzte Feldstreifen umgepflügt, gespritzt und gedüngt ist und niemand darauf oder davon leben kann?
Unseren Agrarsteppen und allem Lebendigen täten Bäume gut. Auch in Irland arbeitet man mit modernen Landmaschinen. Die Bäume dürfen da stehen, man kann sie umfahren. Und es wachsen wirkliche Lebensmittel und nicht nur Profit. Ich denke, dass alle bäuerlichen Familienbetriebe auch davon träumen.
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Dies ist ein Beitrag im Rahmen des Erzählprojektes von Publik-Forum »Die Liebe in Zeiten von Corona«. Wir laden unsere Leserinnen und Leser ein zu unserem Erzählprojekt: Bitte schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen, Nöte, Ängste und Ihre Zuversicht in Zeiten von Corona.
