Sparen am Frieden
In dieser Zeit der rechten Vereinfacher und Demagogen ist noch einmal mehr klar geworden: Die Zivilgesellschaft, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung einsetzt, ist kostbar und nicht mit Geld aufzuwiegen. Doch genau das hat die katholische Deutsche Bischofskonferenz jetzt getan. Unter dem Vorwand des Sparens will sie der deutschen Sektion der Friedensbewegung Pax Christi den Zuschuss auf Bundesebene ab 2018 streichen. Es geht um 60 000 Euro, ein Fünftel des Gesamtbudgets von Pax-Christi. Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) entscheidet im Auftrag der Bischofskonferenz über den Zuschuss. Doch nicht nur Pax Christi, sondern auch hundert andere Gemeinschaftsprojekte – viele davon engagieren sich für die Dritte Welt – sind von Kürzungen betroffen: katholische Auslandsgemeinden etwa, die internationale Frauenarbeit und ein Programm von Justitia et Pax für Priester und Laien in der Dritten Welt.
Kirchensteuereinnahmen von mehr als sechs Milliarden Euro
Das ist alles andere als nachvollziehbar. Hat nicht Papst Franziskus noch zum katholischen Weltfriedenstag am 1. Januar angesichts der weltweiten Konflikte von einem »Weltkrieg auf Raten« gesprochen? Er hat einen stärkeren Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung angemahnt. Da klingt die Streichung der Mittel gerade für diese Aufgaben in Deutschland wie ein Hohn. Besonders, da die katholische Kirche reich ist. Im Blick auf die Kirchensteuereinnahmen von mehr als sechs Milliarden Euro sind 60000 Euro ein vergleichsweise geringer Betrag. Er ist aber wichtig für die Organisation, die nach 1945 die Friedensarbeit in Frankreich startete, später die Versöhnungsarbeit mit Polen begann und heute an vorderster Stelle gegen deutsche Waffenexporte in alle Welt wirkt.
»Das ist eine Enthauptung der öffentlichen und politischen Arbeit« sagt der ehemalige Pax Christi-Generalsekretär Joachim Garstecki. Und für den Friedenspolitiker Winfried Nachtwei ist Pax Christi eine glaubwürdiger und beständiger Vorreiter für Gewaltlosigkeit und gerechten Frieden. Zwei Stimmen unter vielen – auch evangelischen – die gegen die Sparpläne der Bischöfe protestiert haben. Für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (Zdk) erklärte dessen Präsident Thomas Sternberg: »Mit großer Sorge beobachten wir, dass bei stark gestiegenen Kirchensteuereinnahmen in den Diözesen die Finanzmittel für die überdiözesanen Aufgaben weiter reduziert werden«. Er kritisierte zudem, dass all das ohne Begründung passiere.
Ob die Proteste etwas bewirken, bleibt abzuwarten. Immerhin hat die Projektgruppe des Verbandes der Diözesen, die mit der Umsetzung des Sparprogramms beauftragt ist, auf ihrer am heutigen 24. Januar zu Ende gehenden zweitägigen Sitzung erklärt, öffentliche Reaktionen »in Betracht« zu ziehen und »möglichst Härten« zu vermeiden. Was auch immer das heißt, denn gleichzeitig wurde festgestellt: »Der bereits beschlossene Weg wird fortgesetzt.«
Die Ignoranz der Bischöfe
Und so bleibt es vorerst dabei: Es sollen bei denen die Zuschüsse gestrichen werden, die versuchen, christliche Ziele in der Welt umzusetzen. Angesichts der bedrängenden gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen gehört dazu schon eine gute Portion Ignoranz der Bischöfe. Die tun dabei noch so, als sei es ihr Geld und nicht das aller katholischen Kirchensteuerzahler.
