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Total vereinsamt

von N.N.
vom 30.04.2021
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Leider bekam ich erst jetzt das Heft. Ich bin seit vier Jahren im Heim und kann mir bei 100 Euro Taschengeld eine Zeitung nicht leisten. Aber ich bekomme die Hefte von meinem ehemaligen Therapeuten (Arzt) immer zugeschickt. Wir sind beide 82 Jahre alt und kennen uns über 40 Jahre.

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Ich habe also die ganze Zeit im Heim verbracht und bin am Ende meiner Kräfte. Ich habe eine schwere Kindheit und Jugend verbracht. Habe also gelernt, mit außergewöhnlichen Situationen zu leben. Aber jetzt die 1 ¼ Jahre sind zu viel. Ich bin total vereinsamt. Die ganze Zeit konnte ich nicht raus. Haustüren sind abgeschlossen und keine Pflegekraft hat Zeit, mich mal 20 Meter mit dem Rollstuhl rauszufahren. Sie haben einen Haustürschlüssel. Und dann die Stationsquarantäne. Wir dürfen nicht mit anderen Bewohner/innen sprechen. Zu meinem Wohnbereich gehören zehn Zimmer, in sieben davon Bettlägrige, ein Bewohner, der nicht sprechen kann (Schlaganfall), und einer, der nicht sprechen mag. Also niemand da, mit dem ich mal ein paar Worte sprechen kann. Und Pflegenotstand, das heißt die Mitarbeiter können kaum mal zwei bis drei Sätze reden. Besuche in den Zimmern nicht erlaubt. Es kommt also immer wieder vor, dass ich zwei bis drei Tage keine zwei Sätze sprechen kann. Besuche ein Mal in der Woche für eine Dreiviertel stunde erlaubt. Im Esssaal drei lange Tische ohne Tischdecke und so stehend, dass keine Berührung möglich, aber Gespräche nur schwer möglich. Ich habe keine Angehörigen und zwei meiner Freunde finden die Situation im Esssaal so mies, dass sie nicht mehr kommen, bleibt eine ehemalige Betreuerin. Es werden die drei Tische kaum genutzt, bei über hundert Bewohnern und drei Tagen in der Woche, an denen Besuche erlaubt sind.

Kaum Möglichkeit, mich im Zimmer zu beschäftigen, etwas lesen, zwei bis drei Briefe in der Woche, nur vier Stunden schlafen in 24 Stunden. Kaum ein bis zwei Stunden fernsehen.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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