US-Kirche: Weiter auf Romney-Kurs?
Amerikas katholischen Bischöfen hat es nichts gebracht, dass sie Präsident Obama im Wahlkampf links liegen ließen: Das Kirchenvolk ließ sich nicht beirren und gab Obama mit 50 : 48 Prozent den Vorzug vor Romney. Zu wüst waren auch die Ausfälle gewesen; darunter der von Bischof Daniel Jenky, der Obama in seiner Haltung zu Abtreibung und Säkularisierung mit Hitler und Stalin verglichen hatte.
Eine Woche nach der Wahl – bei ihrer Herbstvollversammlung, Mitte November in Baltimore – setzten sich die Bischöfe jetzt erneut in die Nesseln. Auf der Tagesordnung stand die Abstimmung über ein Dokument zur amerikanischen Wirtschaftskrise: »The Hope of the Gospel in Difficult Economic Times« – »Die Hoffnung des Evangeliums in wirtschaftlich schwierigen Zeiten«.
Was wohl als hoffnungsvolles, zeitgemäßes Kirchenpapier in der Tradition der katholischen Soziallehre angedacht war und an »Economic Justice for All«, den herausragenden Kirchenbrief von 1986, hätte anknüpfen können, entpuppte sich jedoch als reine Makulatur. Als substanzloser Text, der auf 14 Seiten nur mit einem einzigen Satz auf Gewerkschaften eingeht und ein ganzes Jahrhundert mit Enzyklika zur sozialen Gerechtigkeit links liegen lässt – stattdessen aber mehrfach den Widerstand der Kirche gegen Homo-Ehe und Abtreibung hervorhebt.
In einer ungewohnt hitzigen Debatte attackierten vor allem ältere Bischöfe die Defizite des Papiers: Kein Wort sei über Steuergerechtigkeit gesagt worden, über drastische Haushaltskürzungen bei Sozialausgaben, die notleidende Mittelklasse, die Regulierung des Finanzmarktes, Habgier und Kriminalität im Bankengeschäft. Joseph Fiorenza, früherer Präsident der US-amerikanische katholischen Bischofskonferenz und emeritierter Erzbischof von Galveston-Houston, sagte: »Warum sprechen wir nicht den wachsenden Abgrund zwischen Arm und Reich an? Papst Paul VI., Johannes Paul II. und auch Benedikt XVI. sprachen und sprechen darüber – und über das Recht zur Umverteilung! Umverteilung ist ein schmutziges Wort geworden, aber diese Päpste haben gesagt, dass es ohne Umverteilung nicht geht.«
Das »hoffnungsfrohe« Papier zur Wirtschaft, an dem fünf Monate gewerkelt wurde und zu dem kein einziger Wirtschaftsexperte zu Rate gezogen worden war, landete im Papierkorb: »The paper is dead.« An eine Neuauflage des Dokuments werde nicht gedacht, ließ sich Kardinal Timothy Dolan, der amtierende Präsident der Bischofskonferenz, vernehmen. Vier Jahre nach Einsetzen der Rezession ist und bleibt die Kirche sprachlos.
Wie wenig sie begriffen haben ,bewiesen die Bischöfe in Baltimore auch auf anderer Ebene. Im Kreise der 230 Konferenzteilnehmer saß einer, der da nicht hingehörte. Ein Krimineller. Robert Finn, Opus Dei-Mitglied und Bischof von Kansas City, Missouri, am 6. September 2012 wegen Vertuschung von Missbrauch zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Wäre er ein Pfarrer, hätte Finn die Verurteilung das Amt gekostet. Doch Bischöfe bleiben undiszipliniert und unbehelligt. Unglaublich.
