Weiblich, katholisch – ohnmächtig?
Sie bekommt einen prunkvollen, rot-goldenen Ring, eine Mitra und einen Stab. Bei der Zeremonie sind die höchsten Würdenträger des Landes dabei. Und alles, was zu einer Weihe gehört: Handauflegung, Weihrauchschwaden, Geschwisterkuss mit Bischöfen. Zum Schluss sitzt die Frau auf einem Thron unter einem Baldachin. Eine erfundene Szene? Keineswegs. Fast sieben Jahrhunderte war die Liturgie der Äbtissinnenweihe wie eine Bischofsweihe ausgestaltet. Und nicht nur das. In manchen Frauenklöstern agierte die Äbtissin wie ein Bischof: Sie setzte Pfarrer ein, erließ Katechismen, gab die Erlaubnis für Eheschließungen, verkündete das Evangelium und predigte in der Messe. Erst im 20. Jahrhundert wurden aus dem Ritus der Äbtissinnenweihe peinlichst alle Elemente eliminiert, die auch nur entfernt an die Bischofsweihe erinnerten. Das hat der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf detailliert erforscht.
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