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Islam in Deutschland
»Wir« und »die anderen«

Ein Expertenkreis hat zum ersten Mal untersucht, wie weit verbreitet Muslimfeindlichkeit in Deutschland ist.
von Judith Bauer vom 05.07.2023
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Gesellschaftliche Realität: Der Islam gehört zu Deutschland – und leider auch die Muslimfeindlichkeit (Foto: IMAGO/Schoening)
Gesellschaftliche Realität: Der Islam gehört zu Deutschland – und leider auch die Muslimfeindlichkeit (Foto: IMAGO/Schoening)

Musliminnen und Muslime sind in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens mit Vorurteilen konfrontiert. Muslimfeindliche Einstellungen sind kein Randphänomen: Jeder Zweite in Deutschland stimmt muslimfeindlichen Aussagen zu. Zu diesem Ergebnis kommt der unabhängige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit, der im Auftrag der Bundesregierung die Vorurteile untersucht hat. Der Expertenkreis war nach den rassistischen Morden in Hanau im Jahr 2020 vom Innenministerium berufen worden und hat nun seinen Bericht vorgelegt.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 13/2023 vom 07.07.2023, Seite 41
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Die Autorinnen und Autoren beobachten eine Spaltung der Gesellschaft in ein »wir« und »die anderen«, ausgelöst unter anderem durch pauschale Ängste und Fehlinformationen. »Den ›anderen‹ werden dabei (vermeintlich) unveränderbare und negative Eigenschaften zugeschrieben«, etwa Rückständigkeit oder Bedrohlichkeit, heißt es in dem Bericht. Ähnliches lässt sich auch in Zusammenhang mit Antisemitismus beobachten.

Für die Bereiche Bildung, Medien, Politik, Religionspolitik und Kultur haben die Experten die Problemlagen analysiert, auch mit Blick auf die Frage, inwieweit Diskriminierungserfahrungen die gesellschaftliche Teilhabe erschweren. Muslimfeindlichkeit in Schulen zeige sich etwa darin, dass die Religion unverhältnismäßig stark im Vordergrund stehe: Wenn muslimische Schüler sich problematisch verhalten, werde das einseitig auf »den Islam« oder »die muslimische Kultur« zurückgeführt. Auch in den Medien zeige sich ein einseitiges Bild, der Islam komme dort vor allem in negativen Kontexten vor. Soziale Medien bezeichnet der Bericht als »toxischen Diskursraum«. Der dort verbreitete Rassismus könne pogromartige Gewalt fördern.

Der Bericht hebt allerdings auch das hervor, was strukturell gut läuft. Dass es seit 2006 die Deutsche Islamkonferenz gebe, sei ein Schritt in Richtung Anerkennung des Islam, auch wenn Musliminnen und Muslime noch immer eher als Sicherheitsrisiken im Fokus stünden. Auch das Religionsverfassungsrecht biete »eine gute Basis für gleichberechtigte Teilhabe«, weil es religionsoffen und nicht laizistisch sei. An die Analyse schließen sich Handlungsempfehlungen an. Unter anderem raten die Experten zur Ernennung eines Bundesbeauftragten für die Bekämpfung von Muslimfeindlichkeit. In Schulen, Behörden und Medien fehlt an vielen Stellen ein Bewusstsein für das Problem. Daran soll die Arbeit des Expertenkreises etwas ändern.

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