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Urlaub in Diktaturen?

Urlaubszeit. Doch wohin soll die Reise gehen, in welchem Land gebe ich mein Geld aus? Helfe ich den dort lebenden Menschen – oder unterstütze ich ungewollt ein totalitäres Regime? Vielleicht setze ich sogar meine persönliche Sicherheit aufs Spiel. Kann ich zum Entspannen in Diktaturen reisen? Ein Pro und Contra
vom 23.07.2017
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Urlaub in Diktaturen? Ja, sagt die Politikwissenschaftlerin Maria Haberer, es ist wichtig mit Menschen auch in Diktaturen in Kontakt zu kommen. Nein, meint Ralf-Uwe Beck, Theologe und Bürgerrechtler, wirtschaftliche Einbußen sind ein Signal an die Machthaber (Fotos: Pramme; Mehr Demokratie)
Urlaub in Diktaturen? Ja, sagt die Politikwissenschaftlerin Maria Haberer, es ist wichtig mit Menschen auch in Diktaturen in Kontakt zu kommen. Nein, meint Ralf-Uwe Beck, Theologe und Bürgerrechtler, wirtschaftliche Einbußen sind ein Signal an die Machthaber (Fotos: Pramme; Mehr Demokratie)

Iran? Nordkorea? Türkei? Darf ich Tourismusattraktionen bewundern, während Oppositionelle verhaftet werden? Ja, es gibt gute Gründe, »jetzt erst recht« zu sagen. Ein »bewusster« Tourismus in ein Land mit autoritärem Regime ist nicht nur moralisch vertretbar, sondern kann sogar geboten sein. Ich stelle mir die Frage: In wessen Tasche fließt mein Geld? Wen unterstütze ich vor Ort?

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Zum Beispiel Ägypten: Der Tourismus, dort eine der lukrativsten Branchen, liegt am Boden. Die Zahl der Touristen ist zwischen Sommer 2015 und Winter 2017 fast um die Hälfte gesunken. Davon sind aber nicht nur große Hotelketten, sondern auch kleine lokale Familienunternehmen betroffen. Viele dieser Menschen leiden nun nicht nur an einem repressiven politischen System, es ist ihnen die Basis ihrer Existenz weggebrochen. Ein bewusster Tourismus zu diesen Orten und Menschen kann helfen, die lokale Wirtschaft anzukurbeln und die Betroffenen aus wirtschaftlichen Abhängigkeiten zu befreien. Ein Kamelritt oder ein Tauchausflug am Roten Meer mit dem richtigen Anbieter leistet also direkte Unterstützung.

Eine Begegnung mit den Menschen vor Ort kann neue Perspektiven eröffnen und Hoffnung geben. Gerade in medial abgeschotteten Ländern, in denen der Bevölkerung oft Feindbilder von anderen Kulturen vermittelt werden, kann der Austausch auf persönlicher Ebene Vorurteile abbauen. Das kann die Grundlage für Freundschaft und internationale Solidarität sein. Nein, die Sorge, mein Geld für den Urlaub in Diktaturen auszugeben, habe ich nicht. Auch und gerade in der Türkei nicht. Die Westdeutschen, die nicht aufgehört haben, Kontakte in die ehemalige DDR zu pflegen, müssten sich erinnern, wie verlassen sich Menschen in Diktaturen fühlen.

Ralf-Uwe Beck: Nein, falsches Signal

Der Familienrat hat getagt: Urlaub in der Türkei kommt derzeit nicht infrage. Dabei hatten wir gerade die südliche Ägäis für uns entdeckt. Wir wollen unser Geld nicht in einem Land ausgeben, das die Demokratie unterhöhlt, Oppositionelle und Journalisten wegsperrt und in dem sich der Regierungschef als Alleinherrscher aufspielt. Dagegen hatten wir vor dem Verfassungsreferendum noch Unterschriften gesammelt. Die Zahl der Touristen, die von Deutschland aus in die Türkei reisen, ist rückläufig, und ich hoffe, dass dies zum Signal wird für die türkische Regierung. Das mag naiv wirken, aus unserer Sicht ist es das buchstäblich Wenige, das wir gerade tun können.

Schließlich steuern wir mit jedem Euro, den wir ausgeben, irgendeine ökonomische, ökologische, soziale oder eben auch politische Richtung. Aber bitte, das darf nicht verallgemeinert und auf andere diktatorische Verhältnisse übertragen werden. Noch einmal: Hier geht es um einen Familienurlaub und schnöde ums Geld – bei einem Urlaub zu viert nicht gerade wenig. Völlig anders wäre die Situation, wenn wir in der Türkei Freunde und Bekannte hätten, ernsthaft Land und Leute und damit auch die politische Situation und ihre Hintergründe erkunden wollten oder das Land völlig abgeschottet wäre.

Der Pauschalurlaub reicht nicht für eine pauschale Empfehlung, ob oder ob nicht Diktaturen zu bereisen sind. In der DDR waren wir angewiesen auf die Besuche aus dem Westen, jedenfalls auf die, die mit uns reden wollten und nicht nur Kaugummi und Schokolade abgeworfen haben. Daraus ist auch einiges geworden an subversiver politischer Arbeit, Unterstützung, die noch getragen hat, da war der Besuch längst wieder »drüben«. Aber die, die nur billig durchs Heimatmuseum DDR reisen wollten, die konnten uns gestohlen bleiben.

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Personalaudioinformationstext:   Maria Haberer, geboren 1989 in München, hat Politikwissenschaft, Philosophie und Entwicklungspolitik in London, München und Barcelona studiert. Sie lebt in Berlin, wo sie promoviert. Ralf-Uwe Beck, geboren 1962 in Eisenach, Theologe und Bürgerrechtler, leitet die Pressearbeit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, ist engagiert für »Mehr Demokratie e. V.«.
Schlagwörter: Tourismus Urlaub
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