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Am seidenen Faden

Im mittelalterlichen Bild der Maria am Spinnrocken offenbart sich ein Gott im Werden. Das Gewebe des Lebens ist ein nicht endender, zukunftsoffener Schöpfungsprozess, in dem Gott den Menschen zum Guten lockt.
von Daniel Rumel vom 28.01.2022
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BU machen (Foto: Rene Traut via www.imago-images.de)
BU machen (Foto: Rene Traut via www.imago-images.de)

Der erste Blick irritiert. Eine arbeitsame Szenerie wie in einer Werkstatt. Auf der rechten Seite nimmt ein Mann von der Frau auf der Leiter einen Gürtel entgegen. Links wendet uns eine Bildhauerin ihren fast verlorenen Blick zu. Sie steht vor ihrem Werk, das seine Konturen nur durch ein abdeckendes Tuch verrät. In einem hinteren Raum sehen wir weitere Leitern. Zwei Menschen versuchen, das Corpus Christi an einer Wand anzubringen. Das Bild hängt über dem Altar der katholischen St. Clemenskirche in der sauerländischen Kleinstadt Drolshagen. Sein Thema ist die Eucharistie, das Unfassbare. Doch wie hängen die Symbole zusammen? Rechts setzt sich der Künstler als der ungläubige Thomas selbst ins Bild. Diese Darstellung hat sicherlich viel mit ihm zu tun, aber auch mit uns. Thomas konnte zunächst nicht an die Auferstehung Jesu glauben. Auf dem Altarbild hält Thomas Jessen als ungläubiger Thomas der Gegenwart das berühmte Gemälde von Caravaggio in seiner rechten Hand. Der Legende nach zweifelte Thomas, nachdem er die Wunden Jesu gefühlt hatte, an der Aufnahme Marias in den Himmel. Daraufhin steigt diese herab und überreicht ihm einen Gürtel, den sie während ihrer Schwangerschaft aus Kamelhaar hergestellt hat. Auch diese Szene setzt Jessen in die Gegenwart. Maria trägt Rollkragenpulli und Jeans, sie ist eine Person, wie sie uns beim Einkaufen begegnen könnte. Thomas ist ihr ganz zugewandt.

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Schlagwörter: Maria Mittelalter Spinnen
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