Verbreitung der AfD
Die bürgerlichen Extremisten
So viele Abgehängte und Wutbürger kann es gar nicht geben, um daraus eine dauerhafte Bewegung zu formen. Das hat die Vergangenheit gelehrt. Dazu braucht es auch die bürgerliche Mitte. Und was wir in diesen Tagen bezeugen, ist genau dieses: Extreme Positionen, Hass auf Andersdenkende und ein neues Einverständnis mit Einstellungen, die gestern noch unmöglich waren, sind im bürgerlichen Lager angekommen. Schon 1959 hat der US-amerikanische Soziologie Seymour M. Lipset diesen Vorgang beschrieben. Er sprach vom »Extremismus der Mitte« als eine der wesentlichen Erklärungen für den Erfolg des Nationalsozialismus. Auch der europäische Rechtspopulismus der Gegenwart hat nur dann die Chance, mehrheitsfähig zu werden, wenn ihm genau dies gelingt. Was wir in diesen Tagen sehen, geht genau in diese Richtung. Das Gedankengut der AfD in Deutschland erreicht immer mehr die Mitte oder, wie man sagt, die bürgerlichen Kreise dieser Gesellschaft.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Martin Hecht ist Politikwissenschaftler und Essayist. Zuletzt erschien sein Buch »Die Einsamkeit des modernen Menschen. Wie das radikale Ich unsere Demokratie bedroht« (Dietz)

Was tun gegen Rechts?
