Die Heilsgeschichte als Comic
Dem Zittauer Fastentuch ausgesetzt, versucht man den Blick zu fixieren. Es gelingt kaum. Die Fläche ist zu groß, der Inhalt zu filigran, der Eindruck zu überwältigend. Da geht es uns nicht anders als den spätmittelalterlichen Christen, denen das Tuch in der Fastenzeit den Blick auf den Altar der Zittauer Johannis-Kirche verwehrte. Die einzelnen Szenen waren kaum zu entziffern, geschweige denn die in Altdeutsch verfassten Unterschriften zu lesen. Der liturgische Zweck des Tuches war die Verhüllung des Altarraumes während der Fastenzeit, sein spiritueller die Konfrontation der Gläubigen mit der ganzen Heilsgeschichte. In dieser Konfrontation liegt auch die Absicht der Überwältigung. Das, was als Eucharistie auf dem Altar liturgisch zelebriert wurde, sollte ausgefaltet und als Ganzes bildhaft verständlich werden: Die Liebeszuwendung Gottes zu seiner Schöpfung.
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Daniel Rumel, geboren 1981, ist katholischer Theologe in Paderborn und Mitglied des Vereins für Bildtheologie.
