Couscous bei Jonny
Gerade beende ich meine Mittagspause. Der frische grüne Tee, den ich mir aus dem Urlaub in Marokko mitgebracht habe, steht schon auf meinem Schreibtisch. Südamerikanische Klänge durchziehen das Zimmer. Ich höre Funkhaus Europa, meine Lieblingssendung im Radio, und werde aufmerksam, als die Stimme einer Russin erklingt, die von ihrem Leben, ihrer Arbeit und ihrer Ankunft in Deutschland erzählt. Ich mag ihren Akzent. Sie berichtet von den vielen deutschen Freunden, die sie hat, und von ihrer elfjährigen Tochter, die in Deutschland geboren ist. Die Moderatorin fragt, wo sie Schwierigkeiten mit Integration habe. Die russische Mutter berichtet mit einem Ton des Bedauerns in der Stimme, dass ihre Tochter manchmal gefragt wird, ob sie zu Hause Russisch oder Deutsch spricht, ob sie schon mal in Russland war und was es mittags zu essen gibt. Es ist dieses Bedauern in der Stimme der Mutter, das mich zum Nachdenken bringt. Wie ist das mit diesem ewigen leidigen Thema der Integration? Bedeutet Integration, dass man besser niemanden mehr auf seine oder die Herkunft der Eltern anspricht? Soll Integration denn bedeuten, dass ich besser keine Fragen mehr stelle und kein Interesse mehr zeige für die Kultur und die Geschichte meines Gegenübers?
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