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Der Schlüssel zum Mitgefühl

Die »Goldene Regel« gilt als eine universale Wahrheit. Sie reinigt den Verstand, bewegt das Herz, läutert den Geist. Sie macht den Menschen menschlich
von Christian Modehn vom 04.05.2012
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Ein kurzer Spruch, zwar hübsch gereimt, kann doch so schlicht erscheinen, dass viele Leute ihn bestenfalls in Sonntagsreden ertragen können: »Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.« Diese »Lebensweisheit« musste die ganze Klasse in der Schule, so erinnere ich mich, laut vorsprechen, »damit sie sich einprägt«. Schließlich handele es sich doch um die Goldene Regel. Und Gold sei ja nun besonders wertvoll. Dabei dachten wir, dieser Reimvers habe dasselbe Niveau wie »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr« oder »Es kommt immer alles anders, als man denkt«. Eben ein netter Spruch unter anderen. »Und genau das ist falsch«, betont heute die Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong (London). »Die Goldene Regel ist der Schlüssel zum Mitgefühl. Und Mitgefühl ist wesentlich für unser Leben, befinden wir uns doch in einer gefährlich polarisierten Welt. Es gilt, eine Welt aufzubauen, in der Menschen in Respekt miteinander leben können. Deswegen sollen wir auch das Ethos der Goldenen Regel in die Tat umsetzen.« Für Karen Armstrong ist die Orientierung an der Goldenen Regel zwar anspruchsvoll, aber nicht kompliziert.

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