Ein Ort der Achtsamkeit
Es ist einer dieser grauen Tage im März. Das Kopfsteinpflaster glänzt vom Nieselregen, wer schnell den Weg nach drinnen findet, ist froh. Auch Christian Wolff, Pfarrer an der altehrwürdigen Thomaskirche zu Leipzig, eilt durch die Straßen der Messe- und Musikstadt: Vorbei an den Plattenbauten, wo einst die Stasi wohnte, vorbei an ehrwürdigen Bürgerhäusern aus der Gründerzeit. Dann ist er angekommen, wo er wollte: bei seinem Lebenswerk. Das ist ein Traum, der zum Teil schon verwirklicht ist, er trägt den komplizierten Namen Musikalisches Bildungscamp Forum Thomanum. Doch das Prinzip ist einfach. Es geht um Musik und Glauben, die ganz selbstverständlich zum Leben dazugehören. Und der weltberühmte Thomanerchor mittendrin. »Glauben, singen, lernen, das ist unser Motto hier«, sagt der 62-Jährige. Eine Kindertagesstätte mit Krippe für hundert Kinder besteht bereits, eine Grundschule wurde ins Leben gerufen, die noch ausgelagert ist. Auf der Thomasschule, dem Gymnasium, lernen 700 Schülerinnen und Schüler, darunter knapp 100 Thomaner. Es gibt eine villa thomana, da üben sie. »Wenn ich die Muskeln nicht trainiere, indem ich täglich laufe, verkümmern die«, sagt Christian Wolff. Genauso sei das mit dem Singen, mit der Musik, dem Glauben. Er biegt in die Bachstraße ein, wo am 20. März der Campus eingeweiht wurde. Es ist der Tag, an dem der Thomanerchor 800. Geburtstag feiert.
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