Film
Ein Börsenmakler rettet 669 jüdische Kinder
Kino. »Um mich geht’s überhaupt nicht«, grummelt Nicholas Winton, wenn man ihn zu seiner Rolle beim sogenannten Kindertransport befragt. Mehr als 50 Jahre lang haben er und seine Mitstreiter geschwiegen über jene Hilfsaktion, bei der sie in der Tschechoslowakei 669 jüdische Kinder vor den Nazis in Sicherheit brachten. Dieser Film ist eine Hommage an Sir Nicholas George Winton. Er ist um jene ikonische Szene inszeniert, in der er 1988 in einer BBC-Lifeshow unerwartet ins Rampenlicht gerät. Die anderen Gäste im Studio entpuppen sich als die geretteten Kinder und deren Nachkommen: ein Gänsehautmoment. Rückblenden schildern, wie der junge britische Börsenmakler Winton an Weihnachten 1938 Bekannte in Prag besucht. Dort wird er auf die verzweifelte Lage jüdischer Flüchtlinge aufmerksam. Im Wettlauf gegen die vorrückende Wehrmacht und unterstützt von seiner Mutter organisiert er britische Pflegeeltern für jüdische Kinder, bringt Behörden auf Trab und sammelt Spenden. Es ist nicht nur dem Understatement von Anthony Hopkins in der Hauptrolle zu verdanken, dass dieser Film nicht als plattes Rührstück daherkommt. Der rote Faden ist nämlich Wintons lebenslange Trauer darüber, dass der letzte Kindertransport scheiterte, sein Schuldgefühl angesichts seiner Entscheidungen über Leben und Tod, das Wissen um die, die er zurücklassen musste. Doch »wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt«. Der späte Trost, den Winton fand, tröstet auch die Zuschauer.
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