Tagebuch eines Jungen im Ghetto von Wilna
Tagebuch. Yitskhok Rudashevski ist 14 Jahre alt, als er 1941 sein Tagebuch beginnt. Der jüdische Junge lebt im Ghetto von Wilna. Yitskhok berichtet von den erschreckenden Ereignissen in der seit Juni 1941 von Deutschen besetzten Stadt: »In der Nacht wurde die jüdische Bevölkerung aus diesen Gassen hinausgeführt, wohin, wissen wir nicht. Später wurde es bekannt: nach Ponar, wo sie erschossen wurden.« Er beschreibt die Hilflosigkeit, als er und seine Mutter die Großmutter im zweiten Ghetto zurücklassen mussten und wussten, dass sie ermordet werden würde. Trotzdem ist er manchmal glücklich, etwa wenn er im Ghetto-Gymnasium Unterricht hat oder an Kulturveranstaltungen im Jugendclub teilnehmen kann: »Es gibt so viel Arbeit zu tun, so viele Vorträge, gesellschaftliche Zusammenkünfte. Ich vergesse oft, dass ich im Ghetto bin«, schreibt er am 18. März 1943. Yitskhok und seine Familie gehörten zu den wenigen Juden, die die Räumung des Ghettos im September 1943 überlebten und sich verstecken konnten. Anfang Oktober jedoch wurden sie entdeckt, nach Ponar gebracht und dort ermordet. Yitskhoks Cousine Sore Voloshin fand sein Tagebuch nach der Befreiung von Wilna auf dem Dachboden des Hauses, in dem sich die Familie zuletzt versteckt hatte. Das in jiddischer Sprache geschriebene Tagebuch wurde vor Kurzem auf Deutsch veröffentlicht und mit Fotos und sorgfältigen Fußnoten zu allen Personen und Ereignissen versehen. Auch wenn Yitskhok stärker auf die Ereignisse außerhalb der eigenen Familie schaut, sind seine Aufzeichnungen in einer Reihe mit dem Tagebuch der Anne Frank zu sehen.
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