Die schwierige Bibel
Können wir über Gott nichts wissen?
Wir Menschen machen uns Bilder, um uns zurechtzufinden und die Welt zu erfassen. Das zweite Gebot im Dekalog (Exodus 20,4 und Deuteronomium 5,8) nach der einleitenden Selbstvorstellung Gottes schließt an das Gebot zu seiner Alleinverehrung an. Das biblische Bilderverbot ist zuerst einmal ein Verbot, sich Kultbilder anfertigen zu lassen. So übersetzen die meisten Übersetzungen nun nicht mehr mit »Du sollst dir kein Bild machen«, sondern sprechen wie die Einheitsübersetzung von »Kultbild«. Das Verbot richtet sich gegen die anderen Gottheiten, die durch ein Abbild aus Holz, Ton, Stein oder Metall repräsentiert wurden. Doch die Nachkommen Israels sollen neben dem Gott Israels keine weiteren Gottheiten – aus Silber oder Gold (Ex 20,23) – haben. Die alleinige Verehrung Gottes und das Bilderverbot sind daher komplementär. Mit dem Namensgebot bilden sie eine Trias. Gott spricht aus dem brennenden Dornbusch und stellt sich Moses mit seinem Namen vor, der mit einem dynamischen Verb erklärt wird: »Ich bin, der ich mich erweisen werde« (Ex 3,14). So die treffende Übersetzung. Das Bilderverbot heißt so verstanden auch: Du sollst dir kein fixes Bild, kein Bildnis machen von der Welt und von Gott. Du sollst offenbleiben für die Präsenz Gottes in der Unverfügbarkeit und die Dynamik Gottes im Wandel.
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Dorothea Erbele-Küster, geboren 1969, ist außerplanmäßige Professorin für Altes Testament an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Mainz. Wenn Sie eine Bibelstelle ausgelegt haben wollen, schreiben Sie an: [email protected],Betreff: Bibelstelle

