Ein David, der den Goliath spielt
Der letzte Besuch des Papstes, vor fünf Jahren in Bayern, war ein prächtiger Besuch. Aber selbst dieser prächtige Heimatbesuch blieb ein religiöses In-sich-Geschäft. Er strahlte nicht über die Massenversammlungen hinaus, er hatte nicht die werbende Verve einer Volksmission, keine charismatisch-pastorale Kraft. Benedikts Theologie füllt die herrliche Kathedrale der Wissenschaft, sie verlässt sie nicht, sie sprengt die Türen nicht auf. Sie beeindruckt ungläubige Philosophen wie Jürgen Habermas und verzückt wehmütig nostalgische Schriftsteller wie Martin Mosebach. Aber die Kirche des Papstes Benedikt lebt nicht. Sie ist ein alttheologisches Exzellenzcluster. Beim Besuch in Berlin wird man das noch viel deutlicher spüren als damals, 2006 in Bayern. Sicherlich: die Katholiken waren und sind in Berlin eine Minderheit. Die Muslime freilich sind dort eine noch kleinere Minderheit – sie leben aber in gesellschaftlicher Präsenz und mit vitaler Religiosität; sie sind stolz auf ihren Glauben. Die katholische Kirche indes ist ein Hagestolz.
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Prof. Dr. Heribert Prantl ist Mitglied der Chefredaktion und Leiter der Redaktion Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung.

