Buchtipp
Übers Älterwerden
Buch. Eigentlich kann man sich Elke Heidenreich gar nicht als alte Frau vorstellen. Die blitzgescheite Frau mit den dünnen Haaren und der frechen Stimme fiel immer durch diese Aufmüpfigkeit auf, die man allgemein mit Jugend verbindet. Als Komödiantin, Moderatorin oder Literaturkritikerin war ihr Markenzeichen stets diese fröhliche Schnoddrigkeit. Vielleicht ist das der Grund, warum ihr Buch »Altern« so ins Herz geht. Mit derselben Unerschrockenheit, mit der sie in ihren Sendungen plauderte, stellt sich die 81-Jährige ihrem Alter, von dem sie selbst überrascht wird: »Da sitz ich jetzt in einem Haus voller Bücher und denke: ist doch ein großartiges Leben. Ja, und dann das Alter. Wieso das denn? Seit wann?« Da sie zweimal geschieden ist, keine Kinder hat, mit einem 28 Jahre jüngeren Musiker zusammenlebt und deshalb nicht klassisch als Großmutter altern kann, sucht sie nach einer eigenen, individuellen Definition und Weise dieser Lebensphase. Heidenreich beklagt nicht die Beschränkungen des Alters, redet es aber auch nicht schön. Sie betrachtet es als eine besondere, herausfordernde Zeit, die zu nichts mehr verpflichtet und nach der eigenen Persönlichkeit gelebt werden kann. Ein erfrischendes Buch, in dem die Weisheit des Alters aufleuchtet, weil sich die Autorin nichts vormacht: »Ich ertappe mich dabei, während laut kreischend die Zugvögel über mein Haus fliegen, die Kraniche, die Wildgänse auf ihrer Reise in den Süden, im Garten zu stehen, ihnen nachzusehen und zu denken: hoffentlich stehe ich hier noch, wenn ihr im März zurückkommt.« Und antwortet: »Ist es wichtig? Nein, nicht mehr. Mit 80 muss man loslassen können.«
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