Luthers Liebe
Hier stehe ich und kann nicht anders!« Mit diesen Worten soll Luther 1521 auf dem Reichstag in Worms seine Rede beendet haben, als er seine Schriften widerrufen sollte. Ein Satz wie geschaffen für ein Denkmal, das die Standhaftigkeit geradezu verkörpert. Sich nicht hängenzulassen gilt auch heute als Trainingsmaxime, mit der das Leben zu bestehen sei. Luther allerdings hat die legendären Worte wahrscheinlich nie gesagt, niemand hat sie aufgezeichnet. Seine Courage wirkt oft seltsam doppelbödig: Da ist die imposant wirkende Gestalt, herrlich und manchmal schrecklich kann er polemisieren. Andererseits ist da eine oft aufflackernde Angst. Wenige Tage, bevor Luther 1521 Worms erreicht, schreibt er von Frankfurt aus: »Wir sind endlich hier angekommen, ob auch Satan mich durch mehr als eine Erkrankung aufzuhalten bemüht gewesen ist. Denn auf der ganzen Fahrt von Eisenach bis hierhin war ich unpässlich und bin es noch, so wie ich es bisher nicht gekannt habe.« Der vermeintliche Held fühlt sich krank wie in seinen knapp vierzig Lebensjahren zuvor noch nicht. Luther befand sich in Bann, war Ketzer, ein Abweichler, der aus der anerkannten Welt herausgetreten war. Der Kurfürst von Sachsen aber hatte erreicht: Luther dürfe sich verteidigen. Auf dem Weg wird er von Anhängern gefeiert, was ihn nicht beruhigt. Unversehens jedoch kann seine Stimmung kippen. »Aber Christus lebt«, heißt es in dem Brief weiter. »Und wir werden nach Worms kommen, auch wenn alle Pforten der Hölle und alle bösen Geister unter dem Himmel sich dagegen stemmten.«
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Der Autor Georg Magirius hat evangelische Theologie studiert und ist freier Schriftsteller und Journalist in Frankfurt am Main.

