Kommentar
An Wunder glauben
Jetzt kann nur noch ein Wunder helfen!« Diesen Stoßseufzer dürften viele als bitteres Fazit unter das zu Ende gehende Jahr setzen. Der Satz formuliert das Eingeständnis, dass es trotz aller Ratio und aller menschlichen Kunst des Verhandelns manchmal nicht möglich ist, dem Unheil Einhalt zu gebieten. Weltweit überlappen und verstärken sich die Krisen und Kriege. Die Flut immer neuer Feindbilder und Gegenfeindbilder steigt unaufhörlich an. Das Vertrauen in Demokratie und transnationale Institutionen nimmt ab, der Ruf nach dem »starken Mann«, der »starken Frau« wird dagegen lauter. Immer dringlicher wird die Sorge um das globale Überleben, zugleich greift eine große Erschöpfung um sich; kollektiv wie individuell. Selbst unverbesserliche Optimisten sind ziemlich ratlos und schweigsam.
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