Not und Zauber der Reform
Reformieren ist ein schönes Wort. Es gibt einem das Gefühl, Teil einer moralischen Avantgarde zu sein, die mit kritischem Blick durch alte Gemäuer geht, nicht mehr Zeitgemäßes entfernt, frischen Wind hineinlässt, dabei Gutes bewahrt und neues Leben schafft. Reformiert werden tut dagegen meistens weh. Man muss umdenken, Gewohnheiten ändern, Rollen aufgeben. Fromm formuliert: Umkehr üben. Deshalb gibt es Widerstände. Je mehr es ans Eingemachte geht, desto höher ist das Risiko, dass es zu Spaltungen kommt. Die Linkspartei gäbe es nicht ohne die Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Schröder. Die Piusbrüder nicht ohne das katholische Bekenntnis zur Religionsfreiheit beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Und »katholisch« wäre heute kein Konfessionsbegriff ohne die Reformen Martin Luthers. Immer gilt: Reformen können andere Folgen zeitigen als ursprünglich beabsichtigt.
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Synodaler Weg
