Flammende Leidenschaft
In der Begleitung von Männern und Frauen, die in der Kirche arbeiten, vermisse ich oft die Leidenschaft. Natürlich lädt die Situation der Kirche, die in der Gesellschaft immer mehr infrage gestellt wird, nicht gerade dazu ein, sich leidenschaftlich für die Menschen in den Pfarreien einzusetzen. Bei Führungsseminaren mache ich die gleiche Erfahrung. Da gibt es nach wie vor Führungskräfte, die eine Leidenschaft für ihre Arbeit und ihre Führungsaufgabe an den Tag legen. Zugleich nehmen sie wahr, dass die jungen Menschen, die in die Firma kommen, sich mehr um die Bedingungen der Arbeit kümmern als um das Ziel, für das man brennen sollte. Doch für mich gilt der Satz des Philosophen Friedrich Hegel: »Es ist nichts Großes ohne Leidenschaft vollbracht worden, noch kann es ohne solche vollbracht werden.« Bei anderen beobachte ich, dass sie zwar mit Leidenschaft ihre Arbeit begonnen haben, doch dann durch Enttäuschungen ihre Leidenschaft verloren haben. Das gilt für die Kirche, für die Politik und für die Wirtschaft. Die Frage ist also, wie wir unsere Leidenschaft wachhalten können. Für mich gehören daher die beiden Pole zusammen: Leidenschaft und Disziplin.
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Anselm Grün ist Benediktiner und einer der meistgelesenen spirituellen Autoren unserer Zeit. Er lebt im Kloster Münsterschwarzach bei Würzburg.

