Ukrainische Geschichten (Teil 1)
Die Menschensammlerin
In diesen Wochen, in denen der Furor eines Vernichtungskrieges wütet, der von der russischen Führung angezettelt wird, denke ich oft an die große ukrainisch-belarussische Autorin Swetlana Alexijewtisch und blättere in ihren Büchern. Sie ist 1948 in der Ukraine geboren, in Weißrussland aufgewachsen und wurde später Journalistin. In ihrem Werk hat sie die Lebenswelten ihrer Mitmenschen aus Weißrussland, Russland und der Ukraine nachgezeichnet: ihre existenziellen Enttäuschungen nach dem Auseinanderbrechen des Sowjetimperiums, ihre unerfüllten Hoffnungen auf ein freiheitliches Land. Ein journalistisch geprägter Dokumentarismus ist für ihr Werk charakteristisch. Swetlana Alexijewtisch erfindet nicht, sondern findet, indem sie Menschen aufsucht, ihre Stimmen erfasst und dokumentarisch publiziert. Den von der Politik Übergangenen, den Namenlosen, den Verstummten gibt sie Gesichter, Namen und Stimmen. Sie hört ihnen zu, und manchmal muss sie sogar Tote erwecken.
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Karl-Josef Kuschel, geboren 1948, lehrte Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs an der Universität Tübingen.

Krieg in der Ukraine
