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Kinofilm »Zwei zu eins«
Gerechtigkeit und Gier

Natja Brunckhorsts Film »Zwei zu eins« ist eine Wendekomödie, die Züge einer Parabel trägt.
von Birgit Roschy vom 30.07.2024
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Kleine Leute im ideologischen Niemandsland: Ein Trio nutzt die Stunde Null zwischen DDR und vereintem Deutschland (Foto: X Verleih AG/Peter Hartwig)
Kleine Leute im ideologischen Niemandsland: Ein Trio nutzt die Stunde Null zwischen DDR und vereintem Deutschland (Foto: X Verleih AG/Peter Hartwig)

Kino. In Ostdeutschland ist der Sommer 1990 eine »geile Zeit«. In der Stunde Null zwischen dem Untergang der DDR und der deutschen Wiedervereinigung kann selbst die ungewohnte Erfahrung der Arbeitslosigkeit nicht die Stimmung trüben. Das Land ist von der Stasi befreit, die Volkspolizei hat kaum noch Autorität. Das verleitet Maren und ihren Mann Robert, deren »volkseigener Betrieb« dichtgemacht hat, zu Abenteuern – zusammen mit dem Republikflüchtling Volker, den Heimweh und die Liebe zu Maren zurück nach Halberstadt treiben. Das Trio entdeckt den Grund für den starken Lkw-Verkehr in der Gegend: Alles DDR-Papiergeld wird in eine Stollenanlage geschafft, wo es verrotten soll. Säckeweise klaut die Clique das »Volkseigentum«, denn noch gibt es Schlupflöcher, um die Ost- in Westmark umzutauschen. Bald beteiligt sich Marens ganzer Wohnblock daran. Mit dem wachsenden Papierberg muss die verschworene Truppe eine Balance zwischen Gemein- und Eigennutz finden und sich im Schnelldurchlauf kapitalistisches Denken aneignen.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 14/2024 vom 26.07.2024, Seite 55
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Inspiriert ist diese Wendekomödie von Diebstählen rund um den realen »Schatz von Halberstadt«, um die damals, aus guten Gründen, kein Aufsehen gemacht wurde. In dem charmanten und bis in die Nebenrollen starbesetzten Film (Sandra Hüller, Peter Kurth) wird die historische Fußnote genutzt, moralische Fragen nach Gerechtigkeit und Gier durchzuspielen. Das tut er anhand »kleiner Leute«, die sich nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung im ideologischen Niemandsland wiederfinden. Die Handlung, mit authentischem Zeitkolorit inszeniert, hat Züge einer Parabel, am Ende gar einer märchenhaften kommunistischen Utopie. Hinter dem luftigen Geplänkel scheint die Tragik von Menschen durch, deren Welt sich als Betrug entpuppt und die sich fragen: Was ist meiner Hände Arbeit wert?

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