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Kolumne von Anne Lemhöfer
Gut gefaltet

Im Freundeskreis unserer Kolumnisten gehen Visitenkarten von Schönheitschirurgen um. Und sie fragt sich: Ist es unfeministisch, Schönheit und Jugend ein wenig nachzuhelfen?
vom 01.04.2025
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Die Zahl der Schönheitsoperationen steigt: »Wir wollen möglichst sehr alt werden, was man aber keinesfalls sehen darf.« (Illustration: istockphoto / Denis Novikov)
Die Zahl der Schönheitsoperationen steigt: »Wir wollen möglichst sehr alt werden, was man aber keinesfalls sehen darf.« (Illustration: istockphoto / Denis Novikov)

Meine Freundin Jule hat ein dunkles Geheimnis. Obwohl, eigentlich ist es weder dunkel noch ein Geheimnis – denn alle können es sehen. Sie geht wie ich stramm auf die 50 zu, und so viel gelebtes Leben geht eben nicht spurlos an einem vorüber. Jule schlägt sich mit Stirnfalten herum, und auch bei mir graben sich immer tiefere Furchen um die Augen, mir fallen Namen nicht mehr so schnell ein, und wenn ich eine Anekdote aus den 1990er-Jahren erzähle, kommt es mir so vor, als wäre das alles gestern gewesen. »Mama, redest du wieder von der Zeit, als die Dinos gelebt haben?«, fragen meine Kinder dann. Es lässt sich nicht leugnen: Wir werden alt. Und zumindest Jule ist bereit, dagegen zu kämpfen, Dinos und Erinnerungslücken hin oder her. Sie schwört auf Botox. Einmal im Jahr lässt sie ihre vom exzessiven Leben und vom Weltgeschehen zerrüttete Stirn von ihrem geliebten Hautarzt mit Nervengift lähmen. Und freut sich diebisch daran. Wie immer hat sie die besten Argumente auf Lager: »Den Faschismus kriegt man nun mal auch nicht mit lieb Zureden ausgerottet.« So sieht Jule das. Ich liebe sie für ihre Ehrlichkeit.

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