Lüge oder Literatur
Jule Stinkesocke gibt es nicht
Mit der Lüge war es schon immer so eine Sache. In jedem Regelwerk der Welt ist sie geächtet, im Märchen wird sie bitterböse bestraft, und wer sich durch sie bereichert, bekommt es mit der Justiz zu tun. Trotzdem kommen wir nicht von ihr los. Literatur und Film sind voll von Geschichten großer Täuscher und Hochstapler. Da sind die fiktiven wie Felix Krull oder Käpt’n Blaubär, die echten wie William Abagnale oder Anna Sorokin, und besonders haben es uns die angetan, die irgendwo dazwischen liegen, etwa der legendäre Baron Münchhausen. So sehr wir sie verurteilen, so fasziniert sind wir von ihren Taten, ihrem Geschick, ihrer Skrupellosigkeit. Und manchmal, ob wir wollen oder nicht, mischt sich ein winziges Fünkchen Sympathie darunter. Das Internet ist da keine Ausnahme. Und doch funktioniert das Hochstapeln hier radikal anders. Ist es deshalb auch anders zu bewerten?
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Özge Inan ist Redakteurin bei der Wochenzeitung der freitag. Auf Twitter folgen ihr 76 000 Menschen.

