Alles Covidioten? Ach, wenn es nur das wäre
Mal wieder ratlos. So schaut Deutschland auf die »Anti-Corona-Demos« in Berlin, Stuttgart und anderswo. Man würde es ja gern irgendwie verstehen, aber es ist kaum auszumachen, wogegen da eigentlich demonstriert wird, auch wenn das Motto »Das Ende der Pandemie« heißt. Was man sieht: alles. Nazisymbolik neben Regenbogenfahnen, lange Haare neben Glatzen, immer wieder den Buchstaben Q. Das Kürzel weist auf »QAnon« hin, eine Internetbewegung, die bizarre Verschwörungsmythen verbreitet. Was man hört, wenn ein Journalistenteam in der Nähe ist: »Lügenpresse«, »Volksverräter«. Je länger man zuhört, desto absurder werden die Verschwörungsmythen: Eine globale Elite plane die Versklavung der Menschheit, da scheinen sich die befragten Demoteilnehmerinnen einig. Im Untergrund, so wissen viele, würden Kinder missbraucht und gefoltert, um aus ihrem Blut ein Mittel zu gewinnen, an dem sich die Eliten berauschen – und sie würden auch gegessen. Das alles ist eine so platte Wiederkehr alter judenfeindlicher Mythen, dass man kaum glauben mag, dass jemand, der ansonsten bei Verstand zu sein scheint, dergleichen für wahr hält. »Unicef holt die Kinder und bringt sie den Eliten«, sagt einer. »Googeln Sie’s doch!« Fakten, die Behörden und »Mainstreammedien« präsentieren, werden als »Meinungen« abgetan. Stattdessen googelt man selbst Behauptungen zusammen, schaut ein paar Videos auf YouTube, nennt das »selber denken« und schon gehört man zu den eingeweihten Kämpfern gegen die dunklen Mächte.
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Die Corona-Krise
