Der Schock von Erfurt
Als ob es noch eines Beleges bedurft hätte. Was sich neunzig Jahre nach der ersten Beteiligung der Nazis an einer Landesregierung in Thüringen und wenige Tage nach dem Gedenken an die Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren in diesen Tagen in Erfurt zuträgt, zeigt, dass die Demokratie entgegen aller Beteuerungen ihrer Stabilität gefährdet ist. Die Zahl ihrer Verächter steigt: In Thüringen ist die AfD zweitstärkste Kraft, im Bundestag größte Oppositionspartei. Die weitaus größere Gefahr besteht jedoch darin, dass der Boden einer gefestigten demokratischen Kultur zu erodieren beginnt. Zivilgesellschaftlich zeigt sich das in einer von AfD und Pegida vorangetriebenen Verrohung im Umgang miteinander. Politisch wird es nun deutlich durch die Anfälligkeit eines Teils des Führungspersonals, das sich als mittig und demokratisch versteht.
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