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Pro und Contra
Recht auf Zahlung mit Bargeld?

Einige Läden akzeptieren kein Bargeld mehr. Für die einen ein sinnvoller Schritt in die Zukunft, andere kritisieren: Das schließt Menschen aus. Sollen Läden zur Bargeldannahme verpflichtet werden? Stimmen Sie hier ab!
vom 13.12.2022
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Zahlungsmittel der Vergangenheit? Einige Läden akzeptieren kein Bargeld mehr. (Foto: istockphoto/gopixa)
Zahlungsmittel der Vergangenheit? Einige Läden akzeptieren kein Bargeld mehr. (Foto: istockphoto/gopixa)

Bargeldloses Bezahlen mit Girokarte, Kreditkarte oder Smartphone – das ist äußerst praktisch, keine Frage. Kein langes Suchen nach einem Geldautomaten oder nach dem passenden Betrag an der Kasse, kein schweres Portemonnaie voller Kleingeldmünzen. Das Konto hat man quasi immer in der Hosen- oder Handtasche dabei. Aber was, wenn man keine Bezahlkarte oder kein Konto hat?

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 24/2022 vom 16.12.2022, Seite 8
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So, wie viele wohnungslose Menschen, die von der gesellschaftlichen Teilhabe an vielen Stellen ausgeschlossen sind. Der bargeldlose Zahlungsverkehr droht sie ganz abzuhängen. Auch wenn jeder Mensch in Deutschland das Recht auf ein Basiskonto hat, gibt es immer noch sehr viele Menschen, die kein eigenes Konto besitzen. Sie sind auf die Möglichkeit, mit Bargeld bezahlen zu können, angewiesen. Auch viele ältere Menschen tun sich mit dem bargeldlosen Bezahlen schwer.

Außerdem hilft Bargeld dabei, den Überblick über die eigenen Ausgaben zu behalten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld fällt nicht nur Kindern und Jugendlichen leichter, wenn man mit Münzen und Scheinen bezahlt und nicht nur einfach Zahlen auf einem Display erscheinen. Durch bargeldloses Bezahlen können unbemerkt schnell Schulden entstehen. Und wer einmal in der Schuldenfalle sitzt, kommt nur schwer wieder raus.

Schließlich gibt es noch ein ganz simples Argument dafür, das Recht auf Zahlung mit Bargeld, das im Übrigen das einzige unbeschränkt gültige Zahlungsmittel ist, nicht einzuschränken: In keinem anderen europäischen Land wird so gerne mit Bargeld bezahlt wie in Deutschland. Das mag man altmodisch und rückständig finden. Oder man erkennt diese Präferenz an und lässt den Menschen die Wahl, auf welche Weise sie bezahlen wollen.

Ulrich Binnebößel:

Nein, das ist unnötig!

Jedem Einzelhändler und jeder Einzelhändlerin liegt es im Blut, die Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und den gewünschten Service anzubieten – so auch den Wunsch nach Barzahlung. Noch immer werden rund 60 Prozent aller Einkäufe im Handel mittels Noten und Münzen bezahlt. Solange also eine Nachfrage nach Barzahlung besteht, wird es entsprechende Angebote geben, ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Barzahlung ist daher überflüssig. Der Einzelhandel akzeptiert heute flächendeckend Bargeld, Ausnahmen gibt es in stationären Geschäften so gut wie nicht. Ein Ende des Bargelds ist somit nicht in Sicht.

Richtig ist allerdings auch, dass dem Bargeld als gesetzlichem Zahlungsmittel das Recht auf Vertragsfreiheit übergeordnet ist und so individuelle Gestaltungsformen ermöglicht werden. So ist es zum Beispiel möglich, dass große Geldscheine abgelehnt werden, um eine überzogene Wechselgeldhaltung zu vermeiden. Auch neue Shopkonzepte wie kassenlose Märkte ohne lästiges Anstehen an konventionellen Kassen werden durch elektronisches Bezahlen erst möglich.

Letztendlich kann die Gefahr eines Bedeutungsverlustes von Bargeld eher durch eine gesicherte Bargeldversorgung der Verbraucher sowie mit kostensenkenden Maßnahmen in der Bargeldlogistik des Handels begegnet werden als mit einem gesetzlichen Akzeptanzzwang. Die Politik ist also gut beraten, den Bargeldkreislauf aktiv zu fördern, indem die Verfügbarkeit von Bargeld in den Fokus rückt und das Bargeldhandling im gewerblichen Bereich wirtschaftlich bleibt. Durch die Bargeldausgabe an der Ladenkasse fördert der Handel den Geldkreislauf, so gut er kann. Hieran muss gearbeitet werden.

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Personalaudioinformationstext:   Lars Schäfer ist Referent für Wohnungsnotfall- und Straffälligenhilfe der Diakonie Deutschland.

Ulrich Binnebößel ist Experte für Zahlungsverkehr beim Handelsverband Deutschland, der Vertretung des Einzelhandels.
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