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Pro und Contra
Sollte die Maskenpflicht in Bus und Bahn aufrechterhalten werden?

In Fernzügen muss weiter Maske getragen werden, ob das auch im Nahverkehr gilt, sollen die Länder entscheiden. Ist die Maske im ÖPNV mittlerweile verzichtbar oder weiterhin sinnvoll? Stimmen Sie hier ab!
vom 20.09.2022
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Maske auf oder nicht? (Foto: pa/Frank Hoermann)
Maske auf oder nicht? (Foto: pa/Frank Hoermann)

Weg mit dem Ding, sagen sie jetzt. Wenn die Regierung die Pflicht zum Maskentragen in Flugzeugen aufgibt, dann müssten auch Busse und Bahnen freien Bürgern wieder freie Fahrt gewähren, ohne dass eine Maske den Lippenstift verschmiert oder gar Wutausbrüche dämpft. Die Kluft zwischen Flugzeugen und Bahnen ist unlogisch, keine Frage. Aber nur, weil eine Entscheidung falsch ist, müssen nicht weitere falsche folgen. Die Pflicht zum Maskentragen in öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Mindeste, was die Regierung für den Infektionsschutz tun sollte.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 18/2022 vom 23.09.2022, Seite 8
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Ja, die Impfungen wirken, und die allermeisten Infizierten werden nicht mehr schwer krank. Und dennoch kann man es nicht einfach jedem selbst überlassen, welches Risiko er nun noch in Kauf nehmen will. Das wäre zu kurz gedacht. Es geht nicht mehr nur darum, jene besonders gefährdeten Menschen solidarisch zu schützen, die um das Benutzen von Bus und Bahn nicht herumkommen, nicht mehr nur darum, ein Anwachsen der Long-Covid-Welle zu verhindern. Es geht in der Pandemie mittlerweile um mehr als um den Schutz des Einzelnen vor einem tragischen Verlauf.

Auch wenn das Virus nur noch selten tötet, macht es weiterhin krank – die aktuelle Variante BA.5 sogar stärker als ihre Vorgänger. Infizierte fallen Tage und Wochen aus, selbst wenn sie jung, gesund und geimpft sind. Wenn zu viele Infektionen zusammenfallen, funktionieren Gesundheitssystem und Polizei, Energie- und Wirtschaftsbetriebe und auch die Lebensmittelversorgung nicht mehr. Das wäre eine massive Bedrohung. Es wäre töricht, eine so einfache und wirksame Maßnahme wie das Maskentragen zu Beginn eines Herbstes aufzugeben, der viele Infektionen bringen wird. Man muss es so pathetisch sagen: Die Maske, dieses Stückchen Filterpapier, es kann die Gesellschaft vor dem Zusammenbruch bewahren.

Harald Martenstein:

Nein, das ist sinnlos!

Wenn wir in Flugzeugen keine Masken mehr tragen müssen, nicht mehr im Restaurant, nicht auf der vollen Zuschauertribüne in der Sporthalle, nicht im Klub, in der Sauna oder auf öffentlichen Partys, welchen speziellen medizinischen Sinn hätte dann die Maskenpflicht in der U-Bahn? Das wüsste ich gerne genau. Aber dazu gibt es keine klaren Erkenntnisse. Sinnlose Gebote sind, was ihren Sinn betrifft, sinnlos. Fest steht, dass wir fast alle inzwischen Antikörper gegen das Corona-Virus besitzen. Die Omikron-Variante bedroht – Stand von heute – fast niemanden mehr ernsthaft, die geringe Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen belegt das.

Die Pandemie ist im Wesentlichen vorbei, so sehen es jedenfalls fast alle Länder um uns herum. Sind wir halt einfach klüger als die anderen? Kann ja sein. Aber auch für diese originelle These würde ich gerne Belege sehen.

Dies alles ist eine Momentaufnahme. Es gilt natürlich nur, solange keine neue, deutlich gefährlichere Variante des Virus’ auftaucht. Und es gilt auch nicht für die besonders Gefährdeten, zum Beispiel die Hochbetagten. Jemandem, der zu einer Risikogruppe gehört und sich auch mit Omikron auf keinen Fall infizieren sollte, würde ich allerdings auch dann von der Fahrt in einem überfüllten Bus abraten, wenn dort alle Maske tragen. Die Maske hat nie einen perfekten Schutz geboten, nur einen relativen.

Jedem und jeder steht frei, weiterhin Maske zu tragen, wo auch immer und aus welchem Grund auch immer. Niemand sollte sich deswegen Kritik oder dumme Sprüche anhören müssen. Das gilt auch umgekehrt. Wer seine Mitmenschen gegen deren Willen zu einem bestimmten Verhalten zwingen möchte, muss zur Begründung einen triftigen Grund vorweisen. Ein vages Unsicherheitsgefühl sollte dazu nicht ausreichen.

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Personalaudioinformationstext:   Christina Berndt ist promovierte Immunologin und Redakteurin der Süddeutschen Zeitung in München.

Harald Martenstein ist Journalist. Seine Kolumnen erscheinen in der Zeit und Welt am Sonntag.
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