Kirchen und Politik
C wie christlich?
Gottesdienste erheben die Seele, dienen aber auch der Beruhigung: Der Ablauf ist vorgegeben, die Rollen sind klar. Für den ökumenischen Gottesdienst am Morgen des CDU-Parteitags Anfang Februar in Berlin hieß das: Vorn standen Anne Gidion, die Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und Karl Jüsten, der Leiter des Kommissariats der katholischen Bischöfe. Im Kirchenschiff saßen brav die christdemokratischen Delegierten, auch Friedrich Merz, der Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat. Generalsekretär Carsten Linnemann las aus dem Lukasevangelium über die Aussendung der Jünger: »Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.« Und: »Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!« Man solle nicht sofort den Streit suchen, wenn man auf Ablehnung stoße, predigte Jüsten. Manchmal brauche man dazu ein dickes Fell. Am Ende stellten sich Gidion und Jüsten hinten an die Kirchentür, um Hände zu schütteln; beide berichten, niemand habe sie zurückgewiesen.
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