Zur mobilen Webseite zurückkehren

Mobilisierung
Der Kampf mit dem Gewissen

Der ukrainischen Armee fehlt es an Soldaten. Viele Ukrainer leben in Polen. Die dortige Regierung unterstützt Kiew bei der Rekrutierung immer deutlicher. Doch Männer wie Oleg Kowalczuk wollen nicht in den Krieg. Wie gehen sie mit dem steigenden Druck um?
von Jan Opielka vom 11.07.2024
Artikel vorlesen lassen
Rekrutenausbildung im Schützengraben: Der Ukraine fehlen Soldaten. (Foto: pa/Marek Antoni Iwanczuk / SOPA Images/Sipa USA)
Rekrutenausbildung im Schützengraben: Der Ukraine fehlen Soldaten. (Foto: pa/Marek Antoni Iwanczuk / SOPA Images/Sipa USA)

Oleg Kowalczuk* will nicht zurück in die Ukraine. Er hat Angst, dass er dann nicht wiederkommen würde. Der kräftig gebaute 47-Jährige aus der Nähe von Saporischschja im Südosten der Ukraine kam kurz vor Kriegsbeginn 2022 ins polnische Industrierevier Oberschlesien. Er fühle sich bis heute orientierungslos, erzählt er, obwohl er eine feste Arbeit in einem Industriebetrieb habe und eine Wohnung, auch seine Frau und Kinder leben hier. »Ich habe in der Ukraine nichts, wohin ich zurückkehren könnte, ich habe hier bei null begonnen.« Ein ukrainischer Bekannter, der auch in Polen lebte, sei zurückgegangen und an die Front geschickt worden. »Wir haben telefonisch Kontakt gehalten, aber seit ein paar Wochen erreiche ich ihn nicht mehr.« Das Schlimmste, sagt er, sei, dass es ein Krieg »unter Brüdern« sei, in der Ukraine lebten doch Ukrainer und Russen, »das war bei uns alles vermischt«. An vielen Abenden trinke er mit anderen Ukrainern. »Nicht aus Lust. Aus Verzweiflung.«

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0