Mobilisierung
Der Kampf mit dem Gewissen
Oleg Kowalczuk* will nicht zurück in die Ukraine. Er hat Angst, dass er dann nicht wiederkommen würde. Der kräftig gebaute 47-Jährige aus der Nähe von Saporischschja im Südosten der Ukraine kam kurz vor Kriegsbeginn 2022 ins polnische Industrierevier Oberschlesien. Er fühle sich bis heute orientierungslos, erzählt er, obwohl er eine feste Arbeit in einem Industriebetrieb habe und eine Wohnung, auch seine Frau und Kinder leben hier. »Ich habe in der Ukraine nichts, wohin ich zurückkehren könnte, ich habe hier bei null begonnen.« Ein ukrainischer Bekannter, der auch in Polen lebte, sei zurückgegangen und an die Front geschickt worden. »Wir haben telefonisch Kontakt gehalten, aber seit ein paar Wochen erreiche ich ihn nicht mehr.« Das Schlimmste, sagt er, sei, dass es ein Krieg »unter Brüdern« sei, in der Ukraine lebten doch Ukrainer und Russen, »das war bei uns alles vermischt«. An vielen Abenden trinke er mit anderen Ukrainern. »Nicht aus Lust. Aus Verzweiflung.«
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Jan Opielka arbeitet als freier Journalist für deutsche und polnische Medien. Er lebt bei Gliwice/Gleiwitz.

Krieg in der Ukraine
