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Repression in Russland
Eine Gesellschaft verstummt

Widerworte geben, anders sein, gar für den Frieden demonstrieren – das ist gefährlich geworden in Putins Russland. Für die Menschen gilt, was schon immer galt: Ducken und sich ums eigene kleine Leben kümmern.
von Inna Hartwich vom 24.06.2025
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Antreten für Russland, aber besser nichts sagen. (Foto: imago images / Konstantin Mihalchevskiy)
Antreten für Russland, aber besser nichts sagen. (Foto: imago images / Konstantin Mihalchevskiy)

Eines Tages hatte Filipp keine Lust mehr auf Schuluniform. Keine Lust auf die dunkle Hose und das dunkle Jackett über dem weißen Hemd, die ihm seine Schule, tief im Osten Russlands, an der kasachischen Grenze fast, vorgibt. Hier weht der Steppenwind so stark, dass Filipp seine dunklen Locken stets aus dem Gesicht nehmen muss. Die Schule, das ist vor allem Gehorsam: montags Fahnenappell und die sogenannten »Gespräche über Wichtiges«, das Fach, das Russland erst nach seinem Überfall auf die Ukraine eingeführt hat. Die Kinder – auch Erstklässler bereits – sollen hier lernen, dass es nichts Schöneres gebe, als fürs Vaterland zu sterben. Im vorgegebenen Geschichtsbuch steht, dass die Ukraine ein Nazi-Staat sei, und dass es an ihnen allen liege, ihr Land zu verteidigen, Patriot zu sein eben, bereit, in den Tod zu ziehen. Im Sportunterricht rennen sie manchmal in Gasmasken um die Wette und üben Weitwurf mit Bombenattrappen. Bei manchen Veranstaltungen kommen seine Klassenkameraden in Armeeuniform in die Schule und singen lauthals: »Wir brauchen den Sieg.«

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