Nach der Wahl
Gelber als gedacht
Jens Teutrine, 28, wuchs in einer kleinen Wohnung auf im westfälischen Rheda-Wiedenbrück, als Sohn einer alleinerziehenden Mutter, manchmal arbeitete sie als Putzfrau. Weil er einen Sprachfehler hatte, besuchte er eine Förderschule. Sein Interesse für Politik weckten ambitionierte Lehrer im Gemeinschaftskundeunterricht, früh engagierte er sich in seiner Partei. Nebenbei jobbte er, wachte früh auf, um in der Bäckerei zu arbeiten und im Baumarkt an der Säge. Er war der erste in seiner Familie, der studierte, er wählte die Fächer Philosophie und Sozialwissenschaften. In seiner Bachelorarbeit verglich er Gerechtigkeitstheorien. Eine klassische SPD-Biografie, eigentlich. Und dort würde man ihn auch vom Erscheinungsbild her vermuten. Dreitagebart, Hoodie, T-Shirt, weiße Sneaker, abgewetzter Rucksack, so erscheint Jens Teutrine zum Frühstück in einem Café in Berlin-Schöneberg. Aber er ist kein Sozialdemokrat. Er ist Vorsitzender der Jungliberalen (Julis), der Jugendorganisation der FDP. Für die Partei, die dem Klischee nach hauptsächlich BWLer in Poloshirt und Zahnarzttöchter mit Perlenohrring anzieht und anspricht, zog er jetzt in den Bundestag.
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