Kinder brauchen starke Lehrer


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Bildungsdebatte, das bedeutet hierzulande meist Streit – über das Schulsystem. In Baden-Württemberg geriet kürzlich jedoch der Unterricht selbst ins öffentliche Visier. Die grün-rote Landesregierung hatte nämlich als Berater für die künftige Lehrerausbildung den Schweizer Privatschulunternehmer Peter Fratton engagiert, der Lehrer entlang von vier »pädagogischen Urbitten« eichen möchte: »Erzieh mich nicht, sondern begleite mich. Erkläre mir nicht, aber gib mir Zeit zu erfahren. Bring mir nichts bei, sondern lass mich teilhaben. Motiviere mich nicht, aber dich selber.«
Klingt irgendwie zeitgeistig, fast wie im außerschulischen Alltag. »Du entscheidest selbst, wann Sommer ist« – so der Slogan eines neuen Erfrischungsgetränks. Oder auf einem Naturlehrpfad für Kinder: »Können Bäume Heimweh haben?
Zum Hintergrund: Wann und wie gelingt lernen? Um diese Frage zu beantworten, hat der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie über 800 Meta-Analysen ausgewertet. Für 138 Faktoren hat er gesammelt und untersucht, ob sie – statistisch gesehen – für den Lernerfolg relevant sind. Diese XXL-Studie, an der er 15 Jahre lang gearbeitet hat, gilt als Meilenstein der empirischen Bildungsforschung. Unter dem Titel »Lernen sichtbar machen« liegen die Ergebnisse seiner Untersuchung nun auch in deutscher Sprache vor. Wichtigste Aussage der Hattie-Studie: Auf den Lehrer kommt es an; die Qualität des Unterrichts hat anscheinend den größten messbaren Einfluss auf die Lernerfolge der Schüler. Dagegen scheinen strukturelle Merkmale wie etwa die Klassengröße erstaunlicherweise unwichtig. Die Studie wird heftig diskutiert: Während sich die Befürworter eines lehrerzentrierten Unterrichts nun ebenso bestätigt sehen wie die Anhänger des gegliederten Schulsystems, wenden Kritiker ein, Hattie habe lediglich das anglo-amerikanische Schulsystem berücksichtigt, das sich vom deutschen doch stark unterscheide. Zudem habe er lediglich Fortschritte im Fachwissen bewertet. Andere Bildungsziele kämen in der Studie dagegen nicht vor.
