Obama ist noch nicht durch
Die Umfragen vom Wochenende schieben das Kronjuwel Ohio zwar Obama zu, und der Präsident soll auch in der Mehrheit der wahlentscheidenden »swing states« die Nase knapp vorn haben, doch in der Blogosphäre herrscht Unruhe. Hier werden ernst zu nehmende, beunruhigende Parallelen zum kontroversen Wahlausgang des Jahres 2000 gezogen. Damals erklärte der Oberste Gerichtshof George Bush zum Sieger über Al Gore. Damals wie heute war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Heute wie damals könnte ein Kandidat die Stimmenmehrheit und der andere die Mehrheit der Wahlmänner bekommen. Damals wie heute haben die Republikaner mit Erfolg versucht, durch neue Gesetze und Wahlmanipulationen die Stimmen der Minoritäten zu unterdrücken.
Den Ausschlag zugunsten von Bush gab vor 12 Jahren eine mit gigantischen Geldern finanzierte, speziell auf die »swing states« gerichtete Last-Minute-Medienkampagne. Genau dieses Szenario sei jetzt zu beobachten, schreibt der Politologe Thomas Ferguson (Naked Capitalism). Er sieht »die Geister von 2000« am Werk und wundert sich, dass die Medien diese Strategie der republikanischen Super Pacs unkommentiert lassen.
Billy Graham, der ewige Präsidenten-Pastor, hofft wohl auf Romney
Die quantitative Wucht der jüngsten Obama-Attacken ist auch im swing state Virginia zu spüren. Ganz heftig wird hier zum letzten Gefecht geblasen, Millionen Dollar in fundamental christliche Botschaften investiert. Die Washington Post und sämtliche Lokalzeitungen bringen ganzseitige Anzeigen mit der Aufforderung: »Vote Biblical Values«. Mit strengem Blick mahnt da das alte Schlachtross, Amerikas ewiger Präsidenten-Pastor, der bald 94-jährige Billy Graham: »Diese Wahl könnte meine letzte sein. Ich glaube, es ist lebenswichtig, dass wir für Kandidaten stimmen, deren politische Entscheidungen auf biblischen Prinzipien beruhen. Kandidaten, die Israel unterstützen. Geben sie ihre Stimme denen, die die Heiligkeit des Lebens schützen und die biblische Definition der Ehe zwischen Mann und Frau unterstützen….«
Noch ein Blick auf die Wetterkarte: Es sieht nicht gut aus für die zerschundene US-Ostküste. Ein neuer Sturm bahnt sich an. Aber es ist kein Hurrikan. Und er soll auch erst eintreffen, wenn die Wahl gelaufen ist.
In ihrem journalistisches Tagebuch begleitet Barbara Jentzsch den US-Wahlkampf bis zu den Präsidentschaftswahlen am 6. November 2012. Dies ist ihr vermutlich vorletzter Beitrag in der Online-Serie »Romney contra Obama. Tagebuch eines Duells«. Wie wird die Wahl ausgehen? Lesen Sie dazu mehr am 7. November bei uns auf Publik-Forum.de
