Pädophilie: Die gefährliche Lust
Schon die Vorstellung ist zutiefst beunruhigend: Dass es Menschen gibt, die sich von Kindern sexuell angezogen fühlen. Denn Kinder brauchen Schutz. Sie dürfen nicht belästigt, manipuliert oder misshandelt werden. Und auf gar keinen Fall sollen sie Opfer sexualisierter Gewalt werden. Das ist – zum Glück! – Konsens in dieser Gesellschaft. Kindesmissbrauch wird nicht mehr geleugnet oder verharmlost, sondern gilt als abscheuliches Verbrechen. Doch was tun mit denen, deren Begehren sich auf Kinder richtet? Mit Männern, die diesen Drang empfinden und doch nicht zum Täter werden wollen?
Wer merkt, dass er pädophil empfindet, macht damit eine verstörende Entdeckung. Auf Verständnis darf er allerdings nicht hoffen. Nur in absoluter Anonymität kann er mitteilen, wie erschreckend und auch leidvoll diese Erkenntnis ist: »Zuerst wollte ich es nicht wahrhaben, verdrängte die Gefühle, unterdrückte das Verlangen«, schreibt ein Betroffener, nennen wir ihn Thomas. »Später begann ich mich immer mehr aus dem sozialen Leben zurückzuziehen«, berichtet Thomas weiter. »Ich vernachlässigte Freundschaften, Familie und Kollegen, aus Angst, dass meine sexuelle Präferenz entdeckt werden könnte, aber auch aus Scham und wachsendem Minderwertigkeitsgefühl.«
Pädophilie ist eine Krankheit
Ein Mensch wie Thomas kann nur hoffen, dass nie jemand von seiner Neigung erfährt. Kommt es trotzdem heraus, ist sofort das Urteil gefällt: Kinderschänder! Egal, ob er zum Täter wurde oder nicht. Er riskiert seinen Ruf, seinen Job, seine bürgerliche Existenz. Für differenzierende Betrachtungsweisen lässt die derzeit hoch emotionalisierte Atmosphäre fast keinen Raum. Hilfreich ist das nicht – weder für die Kinder, die geschützt werden müssen, noch für die betroffenen Männer, die als Monster abgestempelt werden. Wie könnte ein aufgeklärter und vernünftiger Umgang mit Pädophilen aussehen?
Dazu gehört Wissen: Pädophilie ist eine Krankheit. Es handelt sich um eine Störung der sexuellen Präferenz, bei der sich das sexuelle Verlangen nicht auf erwachsene Partner, sondern auf Kinder oder Jugendliche richtet. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung sind davon fast ausschließlich Männer betroffen. Von ihnen leidet etwa ein Prozent an dieser Störung. Allein in Deutschland sind das etwa 250 000 Männer. Als Bäcker oder Professor, Manager oder Maurer leben sie mitten unter uns. Sie sind eine problematische sexuelle Minderheit. Doch ein Pädophiler, der sich zu einem qualifizierten Arzt oder Psychotherapeuten begibt, hat gute Chancen, mit Erfolg behandelt und nicht zum Täter zu werden.
An acht Standorten in Deutschland können pädophile Männer anonym, kostenlos und durch die Schweigepflicht geschützt behandelt werden. Eine Einrichtung ist die Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Auf den ersten Blick wirkt sie wenig einladend. Aber es ist ein Ort des Willkommens. Am Institut für Sexualforschung können Männer wie Thomas, die unter ihrer Pädophilie leiden, Hilfe finden. Wie gelingt die Therapie? Und müsste sich auch gesellschaftlich etwas ändern? Den vollständigen Beitrag lesen Sie im neuen Publik-Forum-Heft 8/2014. Es erscheint am 25. April.
