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Überfall auf die Ukraine
Über Leben in einer zerbrochenen Welt

Unser Autor Denis Trubetskoy stammt von der Krim und ist Ukrainer, aber ethnischer Russe. Was hat ein Jahr Krieg mit ihm gemacht?
von Denis Trubetskoy vom 13.02.2023
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Alltag trotz der Bomben: In Borodyanka bei Kiew versuchen die Menschen in den zerstörten Häusern zurechtzukommen(Foto: pa/nurphoto/Maxym Marusenko)
Alltag trotz der Bomben: In Borodyanka bei Kiew versuchen die Menschen in den zerstörten Häusern zurechtzukommen(Foto: pa/nurphoto/Maxym Marusenko)

Nach einem langen Arbeitstag kehrte ich in der Nacht zum 24. Februar 2022 gegen ein Uhr nach Hause zurück. Ich kaufte mir in einem Supermarkt um die Ecke noch zwei Bier; schlafen konnte ich nicht. Ich ahnte, dass in dieser Nacht etwas auf uns zukommen würde. Kurz nickte ich weg, bis um kurz vor fünf Uhr das Handy sich meldete – und aus meinem Gefühl schreckliche Realität geworden war: Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die sogenannte »spezielle Militäroperation« in der Ukraine angeordnet. Nur wenige Minuten später hörte ich die ersten Explosionen. Ich fing an zu zittern, das dauerte eine Viertelstunde. Dann riss ich mich zusammen und packte einen kleinen Rucksack mit den wichtigsten Sachen. Kiew zu verlassen war an diesem Morgen keine Option: Hätten die Russen Kiew von Belarus aus erreicht, wären sie womöglich über meine Straße einmarschiert. Im Gang sah ich meine Nachbarin, eine ältere Lehrerin. Sie trank gerade einen Kaffee und wirkte vergleichsweise entspannt. »Es hat angefangen«, sagte ich. »Alles wird gut gehen«, antwortete sie. Wir sollten uns erst im April wiedersehen – am dritten Kriegstag habe ich dann doch Kiew verlassen. Meine Nachbarin blieb die ganze Zeit da, als eine der wenigen in meinem Wohnblock.

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Schlagwörter: Krieg Russland Ukraine
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