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Kraft durch Wut

Oskar Kokoschkas »Selbstbildnis als entarteter Künstler« strahlt Widerstand und Selbstbewusstsein aus.
von Udo Feist vom 03.06.2025
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Kokoschkas Malerei ist eine junge Priestergestalt. Er berührt die Menschen wie Dinge und stellt sie lächelnd auf seine Hand. Immer sehe ich ihn wie durch eine Lupe, ich glaube, er ist ein Riese. Breite Schultern ruhen auf seinem schlanken Stamm, seine doppelt gewölbte Stirn denkt zweifach«, jubelt 1910 die Dichterin Else Lasker-Schüler. Sie ist nicht die Einzige. Ergriffen von dem Bild Kind mit den Händen der Eltern (»die rätseltiefen, großen Augen aus blutleerem Gesicht ins Weite gerichtet«), wirft sich der famose, sträflich unbekannte Schriftsteller und Dadaist Walter Serner 1911 für ihn so ins Zeug: »Was in diesen Kinderaugen schillert, ist – taedium vitae … Und urplötzlich überkommt ein Schauder alles Denken und wie durchfroren fühlt man eine unbändige Kraft aus diesem Bild dringen.« Die Dichterin und der Dadaist haben das Epochale, Gewaltige bei Oskar Kokoschka (1886-1980) erkannt, vor allem in den Porträts. Beide waren höchst eigenwillig gläubig. Ihre Euphorie ist daher auch ein profundes Echo jener Worte aus Psalm 8: »Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, / und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?« Die Kehrseite solch wohligen Schwelgens, das schon vielen tröstlich war, schwingt aber ebenso mit. Als tiefer Zweifel fällt sie einem mitunter hart auf die Füße.

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