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Sexualisierte Gewalt
Warum fehlt Bischof Bahlmann auf dem Katholikentag?

Hat der Hirte des Würzburger Partnerbistums Missbrauch vertuscht? Er selbst sieht sich verleumdet. Doch katholische Hilfswerke fördern ihn nicht mehr und fordern Aufklärung.
von Christoph Fleischmann vom 16.05.2026
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Bernardo Johannes Bahlmann nennt den Vorwurf, er habesexuellen Missbrauch vertuscht, eine Verleumdung (Foto: KNA-Bild/Harald Oppitz))
Bernardo Johannes Bahlmann nennt den Vorwurf, er habesexuellen Missbrauch vertuscht, eine Verleumdung (Foto: KNA-Bild/Harald Oppitz))

Bernardo Johannes Bahlmann, Bischof der brasilianischen Diözese Óbidos, hätte auf dem Katholikentag am Himmelfahrtstag mit dem Würzburger Bischof Franz Jung eine Eucharistiefeier zelebrieren sollen – und für zwei weitere Veranstaltungen war er auch vorgesehen. Óbidos ist das Partnerbistum des Bistums Würzburg, dem Gastgeber des Katholikentages.

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Es kam anders: Der Bischof sagte Ende April kurzfristig ab – und ist damit, wie die Pressesprecherin des Katholikentages sagt, einer Intervention des Katholikentages zuvorgekommen. Dem Zentralkomitee der Katholikinnen und Katholiken (ZdK), das den Katholikentag plant, waren Vorwürfe gegen den aus dem Oldenburger Münsterland stammenden Franziskanerpater Bahlmann bekannt geworden.

Was ist zu erfahren? Im Jahr 2022 tauchte bei deutschen Kircheninstitutionen, die nach Brasilien Geld geben, ein anonym verfasstes Dossier auf. Geschrieben von Leuten aus der brasilianischen Kirche, die über die Kultur des Schweigens und Vertuschens von Missbrauchsvorwürfen empört sind. Der Verein Eckiger Tisch, der Betroffene von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche vertritt, hat zu Beginn des Katholikentages diese Vorwürfe aus der brasilianischen Kirche bekannt gemacht.

Ein anonymes Dossier

In dem Dossier heißt es über Bahlmann, dass er den emeritierten Erzbischof des Nachbarbistum Belém do Pará, Alberto Taveira Corrêa, schütze und die kircheninterne Untersuchung der Fälle verhindere, indem er Zeugenaussagen ignoriere und Hinweisgeber einschüchtere. Taveira Corrêa war vor knapp sechs Jahren von vier ehemaligen Seminaristen angezeigt worden, sie sexuell missbraucht zu haben.

Die Übergriffe sollen auch im Rahmen von sogenannten Homosexuellen-Heilungssitzungen geschehen sein, war in der brasilianischen Ausgabe der Zeitung El Pais im Januar 2021 zu lesen. Bei den Treffen, die vorgeblich dazu dienten, dass die jungen Männer ihre Homosexualität loswerden, soll Taveira Corrêa den Berichten der Seminaristen zufolge mit ihnen zusammen nackt gewesen sein, ihre Körper berührt und unter anderem Masturbationssitzungen veranlasst haben, so der Zeitungsbericht. Der Beschuldigte hat die Vorwürfe bestritten. Die Staatsanwaltschaft hat wegen Verjährung und Mangels an Beweisen und der fraglichen Erheblichkeit der Taten keine Anklage erhoben.

Die Hilfswerke nehmen die Vorwürfe ernst

Der Eckige Tisch berichtet, dass drei deutsche Hilfswerke – Adveniat, Misereor und Die Sternsinger – ihre Förderung für die beiden Diözesen beendet hätten. ZdK-Sprecherin Britta Baas erklärte: Wären die Vorwürfe gegen Bischof Bahlmann zum Zeitpunkt der Besetzung von Veranstaltungen bekannt gewesen, hätte man selbstverständlich nicht mit ihm geplant. »Wir hätten das unterlassen, bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe«, so Baas.

Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat bestätigt, dass die Projektförderung für die Bistümer Belém und Óbidos nach Bekanntwerden der Vorwürfe 2022 eingestellt worden sei. Das Hilfswerk schätze die Hinweisgeber aus Brasilien als seriös und ernst zu nehmend ein und habe umgehend bei den Beschuldigten um Aufklärung gebeten, heißt es von der Adveniat-Pressestelle. Schriftliche Kommunikation und mehrere Gespräche hätten nicht zu einer ausreichenden Klärung geführt. Die Hinweise seien auch an die zuständigen vatikanischen Stellen weitergeleitet worden, von wo es noch keine abschließende Beurteilung gebe, so Adveniat.

Auf Anfrage von Publik-Forum hat Bahlmann die Vorwürfe als »ausschließlich beleidigende, rufschädigende Verleumdungen gegen mich« bezeichnet, die nicht den geringsten Wahrheitsgehalt hätten. Er behalte sich rechtliche Schritte vor. Den Katholikentag habe er abgesagt, weil »dringende Aufgaben meine Anwesenheit in meinem Bistum erfordern«.

Nach Informationen vom Eckigen Tisch gingen die Vorwürfe nicht nur an die drei Hilfswerke, sondern auch an das Bistum Würzburg, dass sein Partnerbistum Óbidos ebenfalls fördere. Dort schätzt man das Thema freilich ganz anders ein als bei den Hilfswerken: »Dem Bistum Würzburg sind und waren konkrete Vorwürfe nicht bekannt, die ein nachteiliges Handeln zu Lasten von Bischof Bahlmann oder des Bistums Obidos hätten rechtfertigen können«, heißt es von der Pressestelle des Bistums.

Matthias Katsch vom Verein Eckiger Tisch, der in Brasilien mit Betroffenen gesprochen hat, ist empört: Wäre der Fall in Deutschland, könne man sich so nicht verhalten, man müsste eine Untersuchung der Vorwürfe veranlassen, wie es die Regeln der deutschen Bischofskonferenz vorschreiben. Eigentlich sage man den Betroffenen in Brasilien damit: Wir glauben Euch nicht. »Schlimm, dass das 2026 noch möglich ist«, sagt Katsch.

Auf der Abschlusspressekonferenz des Katholikentages erklärte Bischof Franz Jung, dass er Bahlmann natürlich selber um eine Stellungnahme gebeten und diese auch erhalten habe. »In Rom liegt gegen Bischof Bahlmann nichts vor. Wir haben das extra gecheckt«, versichert Jung. Man sei weiter in einem Klärungsprozess mit Bahlmann und habe »sehr vertrauensvolle Beziehungen mit ihm«.

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