Gott ist Liebe
Gott-menschliche Beziehungsgeschichten
Der erste Teil meines Versuchs, die Trinitätstheologie zu erklären (Nr. 2/2023), war religionsgeschichtlich motiviert: In die christliche Rede von Gott als Dreifaltig-Einem sind jahrtausendealte Erfahrungen mit dem Göttlichen eingegangen, die einander widerstreiten und doch je für sich in hohem Maße authentisch sind: »Die Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen« (1. Buch der Könige 8,27). Gott erscheint hier, vergleichbar bestimmten Erfahrungen im Buddhismus, als unauslotbares Geheimnis, als unnennbarer Grund aller Wirklichkeit, der, je mehr man sich ihm zu nähern versucht, als umso unfassbarer erscheint. Aber es gibt auch gegenteilige Erfahrungen mit Gott: »Adam, wo bist du?« »Kain, wo ist dein Bruder Abel?« (Genesis 3,9; 4,9). Hier erscheint Gott als ein Du, das auf den Menschen zukommt und ihn beim Namen ruft; in dieser Überzeugung haben die monotheistischen Religionen ihren gemeinsamen Fokus. Dem Neuen Testament zufolge verdichtet sich die Erfahrung der heilmachenden Nähe Gottes in der Gestalt Jesu von Nazareth: »Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes« (Kolosserbrief 1,15). »Wer ihn gesehen hat, hat den Vater gesehen« (Johannesevangelium 14,9). Und schließlich ist da noch eine diffuse, geheimnisvolle, aber nicht minder elementare Gotteserfahrung: »In allem ist dein unvergänglicher Geist« (Buch der Weisheit 12,1); weshalb, wer vom Geist erfüllt ist, frei ist, sanftmütig und froh (2. Korintherbrief 3,17; Galaterbrief 5,22). Eine solche »ganzheitliche« Spiritualität ist charakteristisch für die verschiedensten Formen von Schöpfungsfrömmigkeit alten wie neuen Datums.
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Joachim Negel, geboren 1962,ist Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Fribourg (Schweiz). Wenn Sie eine Gottesfrage an ihn stellen wollen: [email protected],Betreff: Gottesfragen

Streit um die Trinität
