Christen und Rechtspopulismus
Wenn fromme Sachsen wählen
In Arnsfeld schaut der barmherzige Samariter bei Sonnenschein und Sturm vorbei. Gerade haben die elf Besucher der Gemeinschaftsstunde im Pfarrhaus mit dem Lied »Gott ist gegenwärtig« dessen Präsenz bezeugt und die Geschichte aus dem Evangelium gelesen. Draußen pfeift Südostwind um die Häuser des Dorfes, sie schmiegen sich eng entlang einem Bach, über ihnen das sächsische Mittelgebirge. Mit Wegen zwischen Berg und Tal kennen sie sich hier aus. Mit der Bibel auch. »Umfassend, vollkommen, bis zur Genesung«, so fasst eine Frau am Holztisch die Leistungspalette des Samariters zusammen, der vor 2000 Jahren auf dem abschüssigen Weg zwischen Jerusalem und Jericho einen überfallenen Händler rettete und den Schwerverletzten pflegen ließ. »Er fragte nicht nach der Herkunft«, sagt sie. »Nächstenliebe ist eben absolut.« Ihr Haar endet hinten akkurat in einem Zopf. Die anderen zehn schauen sie an. »Aber der Samariter hat sich auch nicht bis zur Ewigkeit gekümmert«, meldet sich ihr Nachbar. Und binnen eines Lidschlags führt die Tat des Samariters in ein Gespräch über Politik und die Geflüchteten von heute. »Die Zahlen sind schon stark gestiegen.«
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Jan Rübel, geboren 1970, ist Reporter und Geschäftsführer bei »Zeitenspiegel«. Er beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Religion und Politik.

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