Der Machtkampf in Limburg
Mitte März tagt die Deutsche Bischofskonferenz. Diesmal treffen sich die katholischen Bischöfe in Münster, und sie haben Wichtiges zu entscheiden: Wer wird ihr neuer Vorsitzender? Eine Frage, die – so hört man aus Rom – auf keinen Fall von den Ereignissen im Bistum Limburg beeinflusst werden soll. Heißt das nun, dass man den »Fall Tebartz« vor – oder doch besser nach – der Wahl regeln will? Darauf weiß niemand so recht eine Antwort.
Der »Fall Tebartz«: Das ist die Geschichte eines deutschen Bischofs, der sich für mehr als 31 Millionen Euro seinen Bischofssitz umbauen ließ. Er habe dafür, so sagt er, Gelder des Bischöflichen Stuhls verwendet. Diese Schatulle ist der diözesanen Vermögensverwaltung entzogen. Über den Bau, die explodierenden Kosten und die intransparente Informationspolitik in der Sache stolperte Tebartz-van Elst am Ende. Vorausgegangen waren lange, tiefgehende Störungen der Kommunikation zwischen dem Bischof und dem Verwaltungspersonal, dem Bischof und vielen Priestern, dem Bischof und gläubigen Katholiken. Franz-Peter Tebartz-van Elst – der Mann vom Niederrhein, geprägt von der katholisch-großbäuerlichen Monokultur Kevelaers – zog sich auf Geheiß des Papstes in ein niederbayerisches Kloster zurück, um dort das Ergebnis einer innerkirchlichen Untersuchung seines Falles abzuwarten.
Doch je länger die vorübergehende Beurlaubung des Bischofs währt, umso drängender werden Fragen, die in der ersten Aufregung um den öffentlich so titulierten »Protzbischof« im Hintergrund blieben. Zu diesen Fragen gehört, wie die Kirche eigentlich reagieren kann, wenn sie einen »Fall Tebartz« vor sich hat. Die Rechtslage ist eindeutig uneindeutig: Laut Kirchenrecht muss ein Bischof, der sich »wegen seiner angegriffenen Gesundheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund nicht mehr in der Lage sieht, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen«, den Rücktritt anbieten. Dazu ist er nach dem Rechtskodex »nachdrücklich gebeten«. Was aber tun, wenn der Bischof findet, dass er seine Amtsgeschäfte sehr wohl führen kann? Dieser Fall liegt bei Tebartz vor. Er arbeitet auf seine Wiedereinsetzung in Limburg hin. Die Untersuchungskommission, die in diesen Tagen ihren Abschlussbericht vorlegen wird, muss ihm schon ein schwerwiegendes Fehlverhalten im juristischen Sinne nachweisen, um ihn ins Wanken zu bringen. Sollte er wirklich Stiftungsgelder veruntreut haben, wie jüngst der Spiegel andeutete, wäre dies der Fall.
So oder so: Der Papst muss entscheiden, wie der »Fall Tebartz« zu lösen ist. Er wird sich ohne Zweifel beraten lassen, denn mit der Lösung der Limburg-Frage stellt er auch die Weichen für seine eigene Position im Machtgefüge des Vatikans. Zwei Schlachtlinien sind klar zu erkennen: Auf der einen Seite steht das von ihm selbst ins Leben gerufene, kardinale Beratungsgremium, salopp »K8« genannt. Die Mehrheit der darin sitzenden Herren – darunter Kardinal Reinhard Marx und der aus Honduras stammende Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga – setzen mächtige Hebel in Bewegung, um eine Rückkehr von Tebartz zu verhindern. Auf der anderen Seite steht die Phalanx aus einem Kurienerzbischof und zwei Kardinälen – Georg Gänswein, Gerhard Ludwig Müller und Joachim Meisner. Sie verteidigen Tebartz offensiv, ja, sehen ihn bereits entlastet und rehabilitiert.
Was dieses Schlachtengemälde nicht zeigt, ist der hinter dem Machtkampf stehende, ideologische Streit um die kirchliche Verfassung. Während die »K8« auf Reformen setzt, wird die Gruppe »Gänswein-Müller-Meisner« flankiert von reaktionären Denkern wie dem früheren Kurienkardinals Walter Brandmüller. Der beschuldigte das Bistum Limburg jüngst, mit seinem »demokratischen Modell« Schuld an der Krise zu tragen. Gemeint ist die synodale Verfassung des Bistums, 1969 eingeführt und bis zur Ära Tebartz auch durchgehalten. Brandmüller will sie abgeschafft sehen: Erst dann sei das Bistum wieder hierarchisch lenkbar und wahrhaft katholisch.
Franziskus steht nicht für diese Art von Katholizität. Doch um die Gruppe Gänswein-Müller-Meisner zu neutralisieren, braucht er verwertbare Fakten. Erst dann wird das Rasseln für Tebartz aufhören. Andernfalls könnte der Machtkampf zum Showdown werden. Für den Papst.
