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Wechsel in der Chefredaktion
»Eine anspruchsvolle Aufgabe«

Ab dem 1. September leitet Matthias Drobinski die Redaktion von Publik-Forum. Hier erzählt er, wie vor 37 Jahren sein erster Text ins Heft kam – und was heute die Chancen einer kritisch christlichen Zeitschrift sind.
von Matthias Drobinski vom 26.08.2022
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Auch mal Zweifel säen: Matthias Drobinski, der künftige Chefredakteur von Publik-Forum (Foto: Alessandra Schellnegger)
Auch mal Zweifel säen: Matthias Drobinski, der künftige Chefredakteur von Publik-Forum (Foto: Alessandra Schellnegger)

Es ist ein halbes Menschenleben her – 1985 war’s. Ich, Geschichtsstudent im ersten Semester, tapfer engagiert in der Katholischen Jungen Gemeinde im Bistum Mainz, nahm all meinen Mut zusammen und fragte den Publik-Forum-Redakteur Thomas Seiterich: »Darf ich mal was für euch schreiben?« Publik-Forum, das war damals der Ort des freien, kritischen Geistes in einer Kirche, die Papst Johannes Paul II. eng halten, enger machen wollte. Da wollte ich hin.

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Und ich durfte. Es wurde eine kleine Reportage über eine franziskanisch inspirierte christliche Gemeinschaft. Es folgten weitere Geschichten erst als freier Mitarbeiter, von 1993 bis 1995 dann als Redakteur, eine wunderbare erste Stelle nach der Ausbildung an der Hamburger Journalistenschule. 24 Jahre war ich dann bei der Süddeutschen Zeitung in München zuständig für Kirchen und Religionsgemeinschaften. Ich habe über glaubende, zweifelnde, suchende Menschen aller Religionen und Konfessionen geschrieben; die Welt ist wunderbar bunt. Ich habe über sexualisierte Gewalt in der katholischen, aber auch der evangelischen Kirche recherchiert: Der Missbrauch religiöser Macht zerstört Leben.

Seit Mai 2021 bin ich wieder bei Publik-Forum, bislang als Reporter. Ab dem 1. September übernehme ich nun von Alexander Schwabe die Chefredaktion. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, vor der ich großen Respekt habe – aber wir sind ein großartiges Team, in der Redaktion, im Verlag, und so denke ich mir: Da geht was, das wird gut werden. Anspruchsvoll ist die Aufgabe auch deshalb, weil wir inhaltlich immer wieder neue Wege suchen müssen. Wir wollen dem Frieden dienen und der Gerechtigkeit, die Schöpfung bewahren – aber was heißt das konkret? Was heißt das in einer Welt, in der viele Gewissheiten brüchig und Antworten bestenfalls vorläufig geworden sind, in einer Gesellschaft, in der die Christinnen und Christen zur Minderheit werden, die Glaubwürdigkeit der Kirchen erschüttert ist?

Wir Journalistinnen und Journalisten können bei der Suche nach Antworten, Lösungen, Wegen und Deutungen unseren Beitrag leisten. Wir sollen kritisch (und immer auch selbstkritisch) nachfragen, hartnäckig recherchieren, zu den Menschen gehen und ihnen zuhören, unsere Meinungen zur Debatte stellen. Wir sollen Zweifel säen, wo allzu große Selbstgewissheit herrscht. Und Diskurse ermöglichen, den fairen Streit aushalten.

Das wollen wir mit Leidenschaft tun, im Bewusstsein, dass wir bestenfalls die zweitletzten Antworten kennen. Und im Bewusstsein, dass wir dies für eine Leserinnen- und Leserschaft tun, die in Deutschland ihresgleichen sucht – mit ihrem Engagement, ihrer Neugier, ihrer Bindung an das Projekt Publik-Forum.

Ein großer Dank geht an Alexander Schwabe, der vier Jahre lang sich dieser Aufgabe gestellt hat – ohne ihn wäre Publik-Forum nicht da, wo es heute steht. Er wird den Leserinnen und Lesern als Autor erhalten bleiben. Und das ist sehr gut so.

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