Bibel und Homosexualität
Eine Auslegung der alttestamentlichen Stellen
Männlich und weiblich erschuf er sie« (Genesis 1,27; 5,1-2). Gott schuf den Menschen als Mann und Frau – etwas anderes gibt es nicht. Sie sollen sich vermehren – nur dazu ist die Sexualität da. Das kursiv Gedruckte steht nicht in der Bibel, wird aber meist hinzugedichtet. Die neue Einheitsübersetzung hat Gen 1,27 mit »männlich und weiblich« wiedergegeben, denn es wird im hebräischen Text nur festgestellt, dass es beim Menschen Männliches und Weibliches gibt. Wenn sich ein Männliches und ein Weibliches paaren, gibt es Nachkommen. Diese einfache Alltagsbeobachtung wird bei Gott als Schöpfer verankert. Weder werden die Ehe von Mann und Frau als ausschließliche Form noch die Zeugung von Nachkommenschaft als ausschließlicher Zweck von Sexualität normativ festgelegt. Der Text liefert keine Definitionen, wie etwas zu sein hat, sondern staunt darüber, wie wunderbar Gott die Welt gemacht hat. Diese Welt kennt noch viel mehr als das, was Genesis 1 aufzählt – mehr Tier- und Pflanzenarten zum Beispiel. All das hat Gott gemacht, »und siehe, es war sehr gut« (Gen 1,31). Auch unterschiedliche sexuelle Orientierungen sind daher Teil von Gottes guter Schöpfung.
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Thomas Hieke, geboren 1968, lehrt Altes Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Mainz.

Gottes Segen für homosexuelle Paare
