EKD und Muslime auf Verständigungskurs
Vielleicht schon bald könnte es eine Premiere geben in Deutschland: nämlich eine gemeinsame Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Koordinationsrates der Muslime – zum Beispiel zur Energiewende oder zum Umgang mit alten Menschen oder zur ethischen Bewertung gentechnischer Errungenschaften.
Gemeinsame Trägerschaft von Kindertagesstätten?
Käme es tatsächlich zu solchen gemeinsamen Stellungnahmen, dann wäre dies eine Art Paradigmenwechsel in den Beziehungen zwischen evangelischer Kirche und einem Teil der Muslime. Denn sogar eine gemeinsame Trägerschaft von Kindertagesstätten können sich beide Seiten vorstellen. Das wurde jüngst bei einem Treffen ins Auge gefasst, zu dem die Muslime eingeladen hatten.
Vor fünf Jahren klang alles noch ganz anders. Da hatte die EKD unter dem Titel »Klarheit und gute Nachbarschaft« eine Handreichung zum Umgang mit den Muslimen vorgelegt, die mehr auf Abgrenzung denn auf Verständigung zielte. Die Erklärung vermittelte den Eindruck, als sei der Islam eine defizitäre Religion, die noch eine Reihe von Hausaufgaben zu machen habe. Dem damaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber war an einer klaren Profilierung gegen die Muslime gelegen. Die Muslime fühlten sich brüskiert.
Schneider schlägt differenziertere Töne an als Huber
Der Stimmungsumschwung ist unter anderem dem neuen Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider zu verdanken, der differenzierte Töne anschlägt und sich hinter den Kulissen um neue Gespräche bemüht hat. Dabei sind wichtige Streitthemen – Abgrenzung von gewaltbereiten Salafisten, Anwendung der Scharia in Deutschland, Verurteilung von Übergriffen gegen Christen in muslimischen Ländern – durchaus angesprochen worden. Über bestehende Probleme soll weiter diskutiert werden.
Der Islam ist dabei, in diesem Land heimisch zu werden. Das Deutsche Islamforum, in dem Juden, Christen und Muslime bereits seit zehn Jahren über strittige Fragen reden, spricht ausdrücklich von einem »Islam deutscher Prägung«. Es wäre gar nicht verkehrt, wenn auch die Gespräche zwischen EKD und Muslimrat dazu einen Beitrag leisten könnten.
