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Frauen arbeiten, Kirche nicht

Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit – und ein Feiertag. Grund genug, über Frauen in der Kirche nachzudenken. Speziell in der katholischen. Denn da gilt für sie: keine Gleichstellung, keine Chancen, aber viel Arbeit. Die Kirche in der Krise setzt auf fleißige Arbeiterinnen im Weinberg – die jetzt streiken
von Britta Baas vom 01.05.2019
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Da ist sie, die Kirche! Aber was tut sie nur? Viele Frauen entfernen sich innerlich immer weiter von ihr. Foto: pa/dpa/ Daniel Kalker)
Da ist sie, die Kirche! Aber was tut sie nur? Viele Frauen entfernen sich innerlich immer weiter von ihr. Foto: pa/dpa/ Daniel Kalker)

Am 11. Mai beginnt, was im Arbeitsrecht der Kirche nicht vorgesehen ist: ein Frauenstreik. Streik: Das bedeutet in der normalen Arbeitswelt, die Aufgaben, die man zu erledigen hat, mal nicht zu erledigen. Öffentlich zu protestieren gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Bessere zu fordern. Und erst wieder zur Arbeit zu gehen, wenn etwas erreicht ist.

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»Normal« ist im Punkto Arbeit aber in der Kirche wenig. Beide Großkirchen in Deutschland folgen dem »Dritten Weg«; Streik ist ausgeschlossen. Für die katholischen Frauen liegt die Sache aber noch ganz anders: Die Initiatorinnen des Streiks sind mehrheitlich Ehrenamtlerinnen. Das heißt: Die Kirche gibt ihnen für ihre Arbeit sowieso (fast) nichts. Für dieses Nichts sind viele seit Jahrzehnten fleißig: leiten Kindergruppen und Kommunionkurse, spielen die Orgel im Gottesdienst, sitzen in kirchlichen Gremien, schlagen sich mit dem Erhalt ihrer Kirchengemeinde herum. Oft genug legt ihnen dabei die kirchliche Verwaltung noch Steine in den Weg. Frauen tragen hohe Verantwortung und werden verantwortlich gemacht: Wehe, sie machen ihren »Job« nicht professionell! Dann kann es sogar passieren, dass man auch mal einen Anwalt braucht, um sich im Ehrenamt für die Kirche nicht von der Kirche wegen schlecht erfüllter Aufgaben rechtlich belangen zu lassen.

Seit der Erfindung der XXL-Gemeinden in Deutschland, die die Großstruktur zur Ideallösung bei schrumpfender Zahl an Katholiken und Priestern erklärt, ist die Sache nicht besser, sondern vielerorts schlechter geworden. Ansprechpartner fehlen, direkte Kommunikation ist ein glücklicher Sonderfall geworden. Denn die Grundstruktur der Kirche hat sich nicht geändert: Priester leiten. Jetzt eben XXL-Gemeinden. In denen ist es ihnen faktisch nicht mehr möglich, den Kontakt zur Gemeinde zu halten. Und der Gemeinde ist es umgekehrt nur noch möglich, »ihren« Priester zu erleben, wenn sie ihm hinterher reist.

Vor Ort muss derweil irgendwie die Arbeit erledigt werden. Denn die Menschen, um die es geht, sind nicht plötzlich zu »XXLern« geworden. Das Diktat der Kirchenleitung, sich damit ab- und zurechtzufinden, erzeugt keine Menschen, die nach diesem Diktat funktionieren. Die meisten wollen Nähe, Zuwendung, Erfahrung von Kirche vor Ort. Und wer leistet die dann? Die streikenden Frauen wissen, wer es tut: Es sind häufig sie.

Die Kirche reagiert auf diese Krise nicht. Sie sagt: Weiter so! Mehr so! Strengt euch an! An EUCH hängt die Kirche! Darauf antworten die streikenden Frauen nun: Aber nicht zu DIESEN Bedingungen! Wir erleben eine Kirche, die uns keine Macht zur Veränderung gibt. Die uns fleißig sein lässt, ohne uns gestalten zu lassen. Nicht mit uns!

Zum Tag der Diakonin, dem 29. April, forderten katholische Frauenverbände gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern. Ja, auch zu allen Weiheämtern. Zu ALLEN! Das ist wahrlich neu in der katholischen Kirche Deutschlands, in der bislang versucht wurde, mit dem leitenden Klerus diplomatisch umzugehen. Dort wurde über Jahre vermittelt: Es wäre doch wirklich nett, wenn mal ein paar Diakoninnen geweiht werden könnten... natürlich nur, weil die Kirche ein Personalproblem hat. Versteht uns richtig, liebe Bischöfe, wir wollen nur durch ein paar Frauen ganz unten in der Weihehierarchie den Laden stützen ...

Diese Haltung hat sich grundlegend gewandelt. Und das ist gut so. Die organisierten und durchaus mächtigen Laienverbände des deutschen Katholizismus schlagen Alarm. Sie tun es nicht nur, weil sie die Kirche retten wollen. Sie tun es auch, weil sie aus Menschen bestehen, die im Leben stehen, die Berufen in der Welt nachgehen, in denen sie sehen: Ohne gute Frauen fehlt Innovation, fehlt Gestaltung, fehlt Team-Management. Es ist an der Zeit, dass auch die Kirche das sieht – und handelt.

Bei einigen Männern in der Deutschen Bischofskonferenz ist das angekommen. Schon etwas länger. Sie versuchen, über Symbolpolitik hinaus etwas zu ändern. Dass künftig in der kirchlichen Verwaltung Spitzenpositionen zu mindestens 30 Prozent mit Frauen besetzt werden sollen, ist ein sinnvolles Ziel. Doch die Bischöfe werden nicht umhin können, weiterzugehen. Die Gemeinden in Deutschland stehen vor dem Kollaps. Frauen brauchen Macht, um das zu ändern. Da hilft es gar nicht, dass das Kirchenrecht »eine Entmächtigung von Frauen zugrunde legt«, wie die Osnabrücker Theologin Margit Eckholt am 29. April formulierte und kritisierte. Stattdessen sei jetzt »Ermächtigung« dran, sagt Eckholt. Und damit hat sie einfach recht.

Wie wird er also verlaufen, der Frauenstreik, der am 11. Mai beginnt? Er ist wahrhaftig kirchlich: Schon zu Beginn ist das Ende definiert. Der Streik soll bis zum 18. Mai dauern. Von Samstag bis Samstag also. Dazwischen liegt nur ein Sonntagsgottesdienst, in dem auffallen könnte, was die Streikenden avisieren: »Wir betreten keine Kirche mehr und tun keinen Dienst.« Die vielen unerledigten Dienste, die üblicherweise unter der Woche getan würden, dürften im Streikprozess nicht allzu sehr auffallen. Da finden keine Massenbegegnungen statt, die überraschend ohne Frauen zu sehen wären. Der 12. Mai ist zudem ein Sonntag, der vielerorts mit Erstkommunionen belegt ist. Werden die Mütter, Schwestern und Omas der Erstkommunikanten nicht zum Festtag ihrer Jüngsten erscheinen? Das wäre mal ein Zeichen!

Vermutlich wird es anders laufen: Ein kleiner, engagierter Teil der deutschen Katholikinnen wird eine gute Streik-Performance hinlegen. Danach wird alles weitergehen wie bisher: Die einen kehren in die Kirche zurück und ärgern sich weiter. Die anderen bleiben weg. Weit über den 18. Mai hinaus. Ihr Streik ist still – und wirkmächtig. Er heißt Kirchenaustritt. Oder Kirchenlethargie auf Lebenszeit. Es sei denn, es kommt Hoffnung von oben.

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