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Gott der Gegenwart

Sind die Kirchen sprachlos, weil sie veraltete Gottesbilder haben? Oder trauen sich die Christen nicht mehr, mutig von Gott zu reden? Der evangelische Theologe und Religionsphilosph Ingolf U. Dalferth zur großen Gottesdebatte in Publik-Forum
von Ingolf U. Dalferth vom 13.09.2020
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Guter Gott: eine Installation auf dem Bamberger Dom beleuchtet abwechselnd die Worte GOD (Gott) und good (gut) (Foto: pa/Armer)
Guter Gott: eine Installation auf dem Bamberger Dom beleuchtet abwechselnd die Worte GOD (Gott) und good (gut) (Foto: pa/Armer)

In der Tat – die Gottesfrage ist die zentrale Herausforderung. Nicht erst heute, sondern seit es das Christentum gibt. Aber es geht nicht darum, irgendwie von Gott zu reden und die Sensibilitäten der Zeit entscheiden zu lassen, was man sagen kann und was nicht. Wenn es nichts zu sagen gibt von Gott, braucht man auch nicht von Gott zu reden. Wenn es aber etwas zu sagen gibt, dann muss man so reden, dass das auch zur Sprache kommt. Wie man das tut, richtet sich stets auch danach, wen man erreichen will. Aber wenn das Wie an die Stelle des Was tritt, kann man nicht einmal missverstanden werden. Nicht das Gottesbild steht im Zentrum der gegenwärtigen Krise, sondern der Verlust der Zuversicht, dass man von Gott etwas zu sagen hat, was der Rede wert ist, weil es die Conditio humana auf eine Weise erhellt, auf die man nicht verzichten kann, ohne den Menschen zu schaden. Wer angesichts der Schreckens- und Selbsttäuschungsgeschichte der Menschheit nicht an der Möglichkeit des Guten verzweifeln und das Feld der Unmenschlichkeit und Unvernunft überlassen will, der kann von Gott nicht schweigen.

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