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Küng: Reformpapst steht vor Probe

Der Papst muss nach Ansicht des Theologen Hans Küng eine große Bewährungsprobe bestehen. Wenn Franziskus die Situation der Geschiedenen, der Frauen und der Priester in seiner Kirche nicht grundlegend verbessere, sei das päpstliche Projekt einer »Kirche der Armen« gescheitert, warnt Küng
von Britta Baas vom 28.09.2013
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Der katholische Theologe Hans Küng will, dass Papst Franziskus nicht nur für die Armen außerhalb der Kirche streitet. Das schreibt er in einem Meinungsbeitrag, der am 11. Oktober 2013 in Publik-Forum erscheint. (Foto: pa/Bockwoldt)
Der katholische Theologe Hans Küng will, dass Papst Franziskus nicht nur für die Armen außerhalb der Kirche streitet. Das schreibt er in einem Meinungsbeitrag, der am 11. Oktober 2013 in Publik-Forum erscheint. (Foto: pa/Bockwoldt)

Hans Küng hat einiges übrig für Papst Franziskus. In einem Artikel – der auf Gedanken im dritten Band der Küng´schen Memoiren unter dem Titel »Erlebte Menschlichkeit« beruht – lobt der Tübinger Theologe mit Schweizer Pass den Papst für seine ersten großen Schritte im Amt: Franziskus habe »von Anfang an auf päpstlichen Pomp verzichtet«, sich in Worten und Gesten bislang als »Diener der Diener Gottes« präsentiert, »entschiedene Reformen der Vatikanbank und des Kirchenstaates initiiert« sowie »die Notwendigkeit der Kurienreform und die Kollegialität mit den Bischöfen betont«. Alles gut und richtig, findet Küng. Nur: Es reiche nicht, um als Reformpapst in die Geschichte einzugehen.

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»Dass für einen lateinamerikanischen Bischof die Armen in den Vorstädten der großen Metropolen im Vordergrund stehen, ist verständlich und erfreulich. Doch kann ein Papst der Gesamtkirche nicht übersehen, dass in anderen Ländern andere Gruppen von Menschen, die unter anderen Formen von »Armut« leiden, ebenso eine Verbesserung ihrer Lage ersehnen«, schreibt er in dem Artikel, der bislang nur in der Schweiz (Neue Züricher Zeitung) erschien. Dies seien Menschen, denen der Papst »sogar noch direkter helfen kann als denen in den Favelas«.

Konkret nennt der Tübinger Theologe Katholikinnen und Katholiken, die als Geschiedene, als Frauen oder als Priester unter den Gesetzen der Kirche litten. Geschiedene Menschen seien unbarmherzig von den Sakramenten ausgeschlossen; Frauen litten besonders unter der kirchlichen Einstellung zu Empfängnisverhütung, künstlicher Befruchtung und Abtreibung; Priester seien geknebelt durch das Zölibatsgesetz: »Eine für Amtsträger gesetzlich vorgeschriebene Ehelosigkeit widerspricht der im Neuen Testament gewährten Freiheit, der ökumenischen kirchlichen Tradition des 1. Jahrhunderts und den modernen Menschenrechten.«

Franziskus müsse dringend Reformen einleiten, die diesen Gruppen innerhalb der Kirche entgegenkämen. Denn eine »Kirche der Armen«, für die der Papst sich stark mache, müsse auch für diese »Armen in der Kirche« da sein. Hans Küng nimmt Bezug auf die Bibel: »Schon in den synoptischen Evangelien ist eine Ausweitung des Armenbegriffs erkennbar.« Die Seligpreisungen meinten auch »die Weinenden, Zukurzgekommenen, Marginalisierten, am Rande Stehenden, Zurückgesetzten, die Verstoßenen, Ausgebeuteten und Verzweifelten«.

Da der Papst jüngst ein so offenes Interview gegeben habe, das weltweit Aufmerksamkeit erregt habe, so Küng, müsse er nun auch dafür sorgen, dass »die immer wieder aufgeschobenen Reformen realisiert werden –, damit nicht die im Grunde zweitrangigen Moralfragen der Verkündigung des Evangeliums die Frische und Attraktivität rauben«.

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